Im Bau: Campus Weststadt Modern, nachhaltig, zukunftsorientiert: Mit dem Campus Weststadt erhält die Hochschule Esslingen einen ganz neuen Standort.

Den neuen Standort der Hochschule Esslingen bezeichne ich gerne als unseren ‘Leuchtturm’. Der Campus Weststadt ist eines der größten Bauprojekte des Landes Baden-Württemberg im Bereich der Bildung. Der Neubau setzt Maßstäbe für Lehre und Forschung an unserer Hochschule. Damit bieten wir unseren Studierenden beste Bedingungen mit hervorragender Aufenthaltsqualität für ein exzellentes Studium.

 

Prof. Christof Wolfmaier
Rektor

Das ist eine sehr große, wenn nicht sogar einmalige Chance für unsere Hochschule. Wir sind als Hochschulleitung sehr dankbar, dass uns das Land Baden-Württemberg diesen Neubau ermöglicht. Die Hochschule wird insbesondere von der modernen Ausstattung profitieren. Nachhaltigkeit, Mobilität und Barrierefreiheit waren von Anfang an zentrale Aspekte in den Planungen.


Prof. Dr. rer. nat. Constanze Stiefel
Prorektorin Gebäude und Infrastruktur

Zahlen, Daten, Fakten

Die wichtigsten Eckdaten

Der Neubau entsteht auf einem 1,7 Hektar großen Grundstück an der Bahnlinie. Mit einer Gesamtnutzfläche von 19.600 m² entsteht ein neuer, zentraler Campus für rund 2.000 Studierende. Etwa 250 Arbeitsplätze werden für Professorinnen und Professoren, Hochschulmitarbeitende und das Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte (SAFL) geschaffen. Hinzu kommen eine Mensa und ein Rechenzentrum

Zentral im Herzen Esslingens

Der neue Standort liegt verkehrsgünstig gelegen nahe dem Bahnhof Esslingen und der Innenstadt. Nach Fertigstellung wird der Standort Flandernstraße auf das zentral gelegene ehemalige Güterbahnhofareal verlegt. Der Bahnhof, die Esslinger Innenstadt und der Standort Stadtmitte sind fußläufig zu erreichen.

Welche Fachgebiete ziehen an den neuen Standort?

  • Fakultät Informatik und Informationstechnik
  • Fakultät Soziale Arbeit, Bildung und Pflege
  • Fakultät Wirtschaft und Technik (Esslinger Teil)

Zeitstrahl Die bisherigen Meilensteine des Nebaus

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Weststadt Stories Spannende Details und Hintergrund-Infos zum neuen Campus Weststadt

5 Fragen an die neue Prorektorin

„Der neue Campus ist eine einmalige Chance für uns“

5 Fragen – 5 Fakten: Die Hochschule Esslingen wird voraussichtlich im Sommersemester 2027 mit den Vorlesungen am neuen Campus in der Weststadt starten. Der Gebäudekomplex gehört zu einem der landesweit größten Neubauvorhaben im Bereich der Bildung. Prorektorin Prof. Dr. Constanze Stiefel stellt sich den Fragen.

1. Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie groß ist Ihre Freude, wenn Sie an die Weststadt denken?

Aktuell eine klare 9,5 – ich freue mich riesig! Das ist eine sehr große, wenn nicht sogar einmalige Chance für unsere Hochschule. Wir sind als Hochschulleitung sehr dankbar, dass uns das Land Baden-Württemberg diesen Neubau ermöglicht. Und sobald wir auch den Umzug gut überstanden haben, kommt sicherlich noch der halbe Punkt zur vollen 10 dazu.

2. Weshalb erhält die Hochschule einen neuen Campus?

Der Campus in der Flandernstraße ist ein Bau aus den 1970er Jahren und damit reichlich in die Jahre gekommen. Die Sanierungsmaßnahmen wären sehr aufwändig und teuer geworden. In einer Machbarkeitsstudie des Landes hat sich gezeigt, dass der verkehrsgünstig gelegene, moderne Neubau die bessere Alternative darstellt. 

3. Was passiert mit dem Campus Flandernstraße?

Es gibt eine Vereinbarung zwischen Stadt und Land, die Grundstücke zu tauschen. Die freiwerdenden Flächen in der Flandernstraße plant die Stadt Esslingen als neues Quartier mit dem Schwerpunkt Wohnen. 

4. Ziehen die anderen Standorte auch um?

Nein, es zieht nur der Campus Flandernstraße um. 

5. Die größte Besonderheit der Weststadt ist…

… die nachhaltige Bauweise. Allein die 1.298 Photovoltaikmodule auf dem Dach sind bemerkenswert – sie decken ein Drittel des Strombedarfs der Hochschule. Kombiniert mit einer extensiven Dachbegrünung werden die Dachflächen auch ökologisch genutzt. Der Neubau wird nach hohen energetischen Standards errichtet, so dass der Heizwärmebedarf stark reduziert werden kann. Der verbleibende Heizwärmebedarf wird zu einem Drittel mit der Abwärme der zentralen IT-Servertechnik in Kombination mit einer Wärmepumpe gedeckt. Die Nahwärmeversorgung der Green Hydrogen Esslingen GmbH liefert die restliche benötigte Heizwärme. 

Türen auf, für die Lehre der Zukunft!

Was erwartet Studierende und Lehrende? Welche neuen Lehr- und Lernkonzepte sind dank neuester Technik künftig möglich? Und wo auf dem Campus finden Studierende die schönsten Spots, um sich zum Lernen zurückziehen? Wir haben darüber mit Prof. Martin Stämpfle gesprochen, Prorektor Lehre und Weiterbildung an der Hochschule Esslingen.

Mehr Flexibilität und Interaktion

Bis weit über die Landesgrenzen hinaus, ist die Hochschule Esslingen für ihre exzellente Lehre bekannt. Mit den topmodernen Räumlichkeiten am Campus Weststadt halten nun auch neue Lehr- und Lernformen Einzug. Intelligente Raumkonzepte, flexibles Inventar und modernste Medientechnik heben die Lehre an der Hochschule Esslingen nochmals auf ein neues Level.

„Unsere Leitidee war es, Räume zu schaffen, die eine zeitgemäße Lehre ermöglichen. Dies bedeutet für uns, neben klassischen Seminarräumen auch Raumangebote zu schaffen, die mehr Flexibilität und Interaktion ermöglichen“, erklärt Prof. Martin Stämpfle, Prorektor Lehre und Weiterbildung an der Hochschule Esslingen.

Lehren und Lernen über Ländergrenzen hinweg

Während frühere Hörsäle stark auf die klassische Vorlesung ausgerichtet waren, ermöglichen die neuen Räume eine viel größere Bandbreite an Lehrformen – von interaktiven Seminaren bis zu hybriden Veranstaltungen. 

„Kollaboratives und hybrides Lernen werden in Zukunft eine noch größere Rolle spielen. Teamarbeit über Standorte hinweg, digitale Kooperation und flexible Arbeitsmodelle sind in der Arbeitswelt längst Realität. Darauf muss eine Hochschule vorbereiten“, erklärt Prof. Martin Stämpfle. 

Hybride Lehr- und Lernformate böten zudem den Vorteil, Menschen unabhängig von Ort und Zeit einzubinden. 

„Auch dies spiegelt die moderne, globalisierte Arbeitswelt wider, in der Teams oftmals über die Grenzen von Ländern und Kontinenten hinweg zusammenarbeiten“, so Prof. Martin Stämpfle weiter. „Studierenden bieten hybride Lernformen zudem die Möglichkeit, ihren Lernrhythmus selbstständig zu steuern und ihr Studium besser mit beispielsweise familiären Pflichten oder der Pflege von Eltern und Angehörigen verbinden zu können“.

Großer Wert wurde deshalb auf die digitale Infrastruktur gelegt: Alle Räume verfügen über moderne Medientechnik - unter anderem für Vorlesungsaufzeichnungen und Livestreaming, leistungsstarkes WLAN, zahlreiche Steckdosen und Möglichkeiten zur drahtlosen Zusammenarbeit. Seminarräume und Projekträume sind so konzipiert, dass Gruppenarbeit, kollaboratives Arbeiten mit digitalen Tools und Präsentationen gleichermaßen möglich sind. Zudem lassen sich die großen Seminarräume für 80 Personen und zwei der Seminarräume für 40 Personen dank mobiler Trennwände sowie leicht beweglichen Mobiliars je nach Bedarf an verschiedene Personenzahlen und Lehrformate anpassen. Weiterhin können Lehrveranstaltungen oder auch Veranstaltungen aus der Aula in verschiedene Räume direkt übertragen werden. 

Grüne Lerninseln 

Bei der Planung des Campus stand aber auch die Aufenthaltsqualität im Fokus: 

„Wir wollten Orte, an denen sich Studierende gerne aufhalten, nicht nur zum Lernen, sondern auch zum Austausch und zur Erholung“, erzählt Prof. Martin Stämpfle. 

Überall am Campus stehen deshalb Rückzugsorte fürs Lesen und Lernen zur Verfügung. Etwa in der zweigeschossigen Bibliothek mit modern ausgestatteten Gruppen- und Einzel-Arbeitsplätzen in ansprechendem Design und einer Leselounge. 

An schönen Tagen lockt der Innenhof: Hier kann man sich zum gemeinsamen Lernen auf die Bänke unterm Schattendach der Bäume zurückzuziehen. Flächendeckendes WLAN auf dem gesamten Campus ermöglicht den kabellosen Internetzugang für Recherchen oder den Zugriff auf Online-Vorlesungen. Ein Highlight ist die Dachterrasse im dritten Stock, gleich neben dem Studierenden Café. Insgesamt ist der neue Campus ein inspirierender Ort– ideal, um Ideen für die nächste Seminararbeit zu sammeln. 

Fakten:
  • 4 große Hörsäle, für bis zu 120 Personen
  • 43 neue Seminarräume, für 16 bis 80 Personen, zum Teil teilbar
  • 11 Projekträume, die auch von Studierenden frei gebucht werden können
  • 19 Labore
  • Lernwerkstatt SABP
  • 7 PC-Pools für 24 Personen, 1 PC-Pool für 50 Personen
  • 6 Besprechungsräume unterschiedlicher Größe
  • 15 separate Lernräume 
Architektur für alle!

Viel Raum, viel Licht und kurze Wege: In der 4. Folge unserer Serie rund um den neuen Hochschulcampus in der Esslinger Weststadt steht die Architektur im Mittelpunkt. Wir haben mit den Verantwortlichen gesprochen und uns auf dem Gelände genauer umgesehen.

Einen neuen Campus mit mehreren Gebäudeteilen in dicht bebaute Strukturen zu integrieren – das stellt schon eine Herausforderung dar. Doch an Ideen, wie man das Mammutprojekt „Campus Weststadt“ umsetzen könnte, mangelte es von Anfang an nicht. Dies zeigte sich bei dem zweiphasigen Realisierungswettbewerb, den der Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Ludwigsburg 2016 in seiner Rolle als Bauherr ausgelobt hatte. Schlussendlich konnte das Architekturbüro bss Architekten Bär, Stadelmann, Stöcker aus Nürnberg die fachkundige Jury mit einem Entwurf für einen Hochschulcampus überzeugen, der die historische Architektur der Weststadt mit seiner Klinkerfassade aufnimmt.

Offen, lebendig, zukunftsorientiert

Heute, mit Blick auf den wachsenden Baufortschritt, lässt sich jedoch erahnen, was es für die Architekten alles zu bedenken und einzuplanen galt, um Gebäude entstehen zu lassen, die die Bedürfnisse ihrer Nutzer aufgreifen – in all ihrer Komplexität. 

„Der neue Campus ist so gestaltet, dass er den Übergang vom öffentlichen Stadtraum in die Lern- und Arbeitswelt klar und einladend gestaltet“, berichtet Marco Eberhardt, der bei bss Architekten unter anderem an der Planung des Campus beteiligt war. 

Vom Stadtteilplatz im Osten gelangt der Besucher zunächst durch ein Tor auf das Gelände der Hochschule. Dieses Tor wird durch die Gebäude 22 mit der Bibliothek und Gebäude 21 mit der Aula gebildet, die ab dem dritten Obergeschoss miteinander verbunden sind. Im Zentrum des Ensembles liegt der Campusplatz – ein gemeinsamer Treffpunkt für Studierende, Lehrende und Gäste.

Rund um diesen Platz gruppieren sich die vier fünfgeschossigen Gebäude, in denen unter anderem die zentralen Einrichtungen Aula, Mensa, Bibliothek und die großen Hörsäle verortet sind. Hierbei war für die Planer die Durchlässigkeit ein wichtiges architektonisches Prinzip: Die einzelnen Gebäude lassen Raum für Wege, Licht und Luft. Sie sind offen gestaltet, mit verglasten Atrien und großzügigen Foyers, die Begegnungsräume schaffen. 

„Auch wenn jedes Gebäude einzeln steht, befinden sie sich doch in direktem Austausch. Man könnte sagen, sie kommunizieren miteinander, wie ein Quartett, das eine gemeinsame Melodie spielt“, so Marco Eberhardt. 

Gleichzeitig bleibt der in sich geschlossene Campus in alle Richtungen offen – etwa zur nördlichen Nachbarschaft oder für eine mögliche spätere Erweiterungen im Westen.

Historie trifft auf moderne Architektur

Trotz begrenzter Fläche wurde großer Wert auf offene, barrierefreie Bewegungsräume gelegt. 

„Der innere Campus erhält einen ebenen, hindernisfreien Belag“, erklärt Marco Eberhardt. „Dieser verbindet alle Gebäude direkt mit ihren Fassaden und schafft eine flexible, gemeinschaftliche Fläche – auch für größere Veranstaltungen“.

Unter der Projektleitung von Simone Graf, Architektin beim Amt Vermögen und Bau Ludwigsburg, entsteht somit ein Campus, der nicht nur funktional, sondern auch lebendig, durchdacht und zukunftsfähig ist – ein Ort, an dem Lehren, Lernen und Begegnung auf natürliche Weise zusammenkommen. 

 

Mobilität am Campus Weststadt

Das Mobilitätskonzept der Hochschule Esslingen verfolgt mehrere Ziele: die Förderung des Radverkehrs, die Verbesserung der Infrastruktur für nachhaltige Mobilität, Optimierung der oberflächigen Parkraumstrukturen und des Fuhrparks, die Erhöhung von Aufenthaltsqualität auf dem Campusgelände. Auch beim Neubau des Campus Weststadt wurden diese Ziele konsequent mitgedacht. Hochschulangehörige brachten sich dabei aktiv in Workshops und Online-Umfragen zur Mobilität ein.

Campus und Gebäude: Viel Platz für Begegnung und Bewegung

Der Campus Weststadt umfasst rund 18.700 m2, davon werden 4.600 m2 als begrünte Fläche gestaltet. Bei einer erwarteten Nutzungsfrequenz von etwa 2.200 Personen, liegt der Fokus auf großzügigen, attraktiven Aufenthaltsbereichen. Zahlreiche Sitzgelegenheiten, teils unter Baumreihen, laden zum Verweilen ein. Die Fläche des zweiten Bauabschnitts wird im Zuge der Außenanlagengestaltung interimsmäßig als Freizeitfläche gestaltet und begrünt.

Die Gebäude sind vollständig barrierefrei: Alle Häuser verfügen über jeweils zwei Aufzüge und einen weiteren Aufzug, der die beiden Bibliotheksebenen miteinenander verbindet, es gibt Behindertenstellplätze auf dem Nachbargelände und eine Stellfläche für Behindertentransporte auf dem Gelände des Neubaus. Für den internen Hochschulbetrieb wird auf der Südseite ein Wirtschaftshof mit Zufahrt über die Schlachthausstraße eingerichtet. In Gebäude 23 stehen im Untergeschoss moderne Umkleiden und Duschen zur Verfügung.

Anbindung: Mit Bahn, Bus oder Rad ideal erreichbar

Die Lage des neuen Campus ist ideal: in 450 Metern erreicht man den Esslinger (Bus-)Bahnhof (ca. fünf Minuten); in 1,5 Kilometern den Campus Stadtmitte (ca. 20 Minuten); in 450 Metern den Gesundheitscampus Tübingen-Esslingen sowie die Studentenwohnheime Rossneckar 1 und 2 sowie das Boradinghaus Esslingen an der Mettinger Straße. 

Eileen Sawatzki ist die Mobilitätsmanagerin der Hochschule Esslingen: „Was die Weststadt in Sachen Mobilität besonders macht, ist die direkte Anbindung an den ÖPNV sowie Nah- und Fernverkehr. Der Bahnhof ist in fünf Minuten fußläufig erreichbar! So entsteht eine direkte Anbindung an den Campus Esslingen-Stadtmitte, zu Studierendenwohnheimen und in das Stadtzentrum.“

Ebenfalls besonders: Die direkte Anbindung an die Fahrradschnellstraße unterhalb des Neckars. Zusätzlich plant die Stadt Esslingen eine Radverbindung über die Schelztorstraße-Roßmarkt-Maillepark mit anschließender Überquerung der Kiesstraße bei Gebäude 10 am Campus Stadtmitte. 

Fahrrad- und Autostellplätze

Insgesamt stehen rund 400 Fahrradabstellplätze, mit einem zentralen und mehreren dezentralen Abstellplätzen, entlang der Außenseiten der Gebäude am Campus zur Verfügung. Die nördliche Kolonnade bietet Platz für 78 überdachte Fahrradabstellplätze. Am zentralen Abstellplatz an Gebäude 24 entsteht eine Ladestation für eBikes sowie eine Reparaturstation.

In einem Umkreis von 500 Metern befinden sich Parkhäuser. Alternativ stehen in der Nähe Bike- und CarSharing-Angebote zur Verfügung.

Grüner Campus für die Zukunft - Nachhaltigkeit

Großflächige Dachbegrünungen, eine riesige Photovoltaik-Anlage, Wärmerückkopplung durch Abwärme von Servern: Der neue Campus Weststadt der Hochschule Esslingen ist mehr als nur ein neues Gebäude. Er ist ein lebendiges Labor für Nachhaltigkeit, in dem Studierende die Zukunft der Energietechnik hautnah erleben können. Prof. Dr.-Ing. Markus Tritschler, Projektleiter Ökomanagement an der Hochschule Esslingen und bis 2025 Prorektor Gebäude und Infrastruktur, verrät im Interview, welch clevere Lösungen in Bezug auf Nachhaltigkeit hinter den Fassaden der neuen Gebäude stecken.

 
Der Campus Weststadt gehört zu den größten Hochschul-Bauprojekten des Landes – welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit bei einem solchen Projekt?

Nachhaltigkeit spielt eine entscheidende Rolle an der Hochschule Esslingen und auch beim Bau des neuen Campus Weststadt. Das sehen wir an verschiedensten Punkten, beispielsweise an den verwendeten Baumaterialien und der eingebauten Technik. Das Bauvorhaben soll außerdem nach dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) zertifiziert werden. Ziel ist eine Zertifizierung mit Silber, das bedeutet einen Erfüllungsgrad von über 65 % der festgelegten Nachhaltigkeitskriterien.

Gibt es technische Besonderheiten, die die nachhaltige Bauweise besonders aufzeigen? 

Die gibt es in jedem Fall. Es wird beispielsweise eine extensive Dachbegrünung geben, wodurch die Dachflächen ökologisch genutzt werden können. Auch bauliche Besonderheiten wie eine Passivhaushülle mit außenliegendem Sonnenschutz sowie luftdichte Ausführung der Gebäudehülle und hocheffiziente Lüftungsanlagen sorgen dafür, dass der Heizwärmebedarf stark reduziert werden kann. 

Der Energiebedarf eines solchen Gebäudes ist bestimmt trotzdem ziemlich hoch, wie wird dieser in Zukunft gedeckt?

Hierfür haben wir auf den Dächern der Gebäude am Campus eine Photovoltaik-Anlage montiert, deren 1298 Module eine Spitzenleistung von 571 kW haben, womit ein Drittel des jährlichen Strombedarfs des Campus gedeckt werden kann. Der Wärmebedarf wird zu einem Drittel aus der Abwärme der zentralen IT-Servertechnik in Kombination mit einer Wärmepumpe gedeckt. Die Nahwärmeversorgung der Green Hydrogen Esslingen GmbH (GHE) liefert die restliche benötigte Heizwärme. Die GHE erzeugt in ihrer angrenzenden Energiezentrale in der Weststadt über einen Elektrolyseur „grünen Wasserstoff“. Die dabei entstehende Abwärme wird von der GHE in das Nahwärmenetz eingespeist.

Die Sommer werden ja bekanntlich immer wärmer – werden die Studierenden weiterhin in den Räumen schwitzen oder besteht die Möglichkeit, die Räume zu kühlen?

Der neue Campus Weststadt ist auf zunehmend heiße Sommer vorbereitet. Große Fensterflächen sorgen für viel Tageslicht, werden jedoch durch außenliegenden Sonnenschutz vor übermäßiger Aufheizung geschützt. Ergänzend kommen moderne Lüftungsanlagen und Kühldecken zum Einsatz, um z. B. die Seminarräume aktiv zu temperieren. Aus Nachhaltigkeitsgründen wird bewusst auf eine energieintensive Vollklimatisierung verzichtet. Ziel ist es, die Raumtemperaturen auch an heißen Tagen in der Regel auf etwa 26 °C zu begrenzen – und damit deutlich bessere Bedingungen zu schaffen als in vielen älteren Hochschulgebäuden.

Wo wird man am Campus noch auf das Thema Nachhaltigkeit stoßen? 

Die Außenanlagen werden so gestaltet, dass trotz des begrenzten Raumes bei hoher Publikumsdichte möglichst großzügige Freiräume geschaffen werden. Der Innenhof ist beispielsweise mit versickerungsfähigem grauen Natursteinpflaster belegt. Zwei versetzte Baumreihen bieten ein grünes Schattendach im Sommer und darunter reihen sich Sitzgelegenheiten. Der zweite Bauabschnitt wird als großzügige Interimsgrünanlage gestaltet. Durch zahlreiche Fahrradabstellplätze und Ladestationen für eBikes wird nachhaltige Mobilität attraktiv werden.

An der Hochschule Esslingen gibt es den Studiengang Nachhaltige Gebäude- und Energietechnik: da kann der neue Campus also Modell stehen?

Das kann er in jedem Fall! Hier wird nachhaltige Gebäude- und Energietechnik in die Praxis umgesetzt und für die Studierenden greifbar; der Standort wird zum Living-Lab. Beispiele sind die zuvor genannte PV-Anlage oder die Wärmepumpe. 

Video-Tour über die Baustelle

Rektor Prof. Christof Wolfmaier und Prorektorin Prof. Dr. Constanze Stiefel besuchten Ende 2025 die Baustelle und stellen uns den Neubau vor.

Impressionen

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Prof. Dr. rer. nat. Constanze Stiefel

Tel: +49 711 397-3009
E-Mail: Constanze.Stiefel@hs-esslingen.de
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