Vortragsreihe „Ethische Aspekte aktueller Zeitfragen“

Dienstag, 17.30 bis 19 Uhr, Hörsaal 5, Flandernstraße 101

Care.Sorge – aus ethischer Perspektive

 

Im Wintersemester 2018/19 steht die Vortragsreihe Ethische Aspekte aktueller Zeitfragen unter dem Oberthema Care.Sorge. Das Thema ist gesellschaftlich, politisch und wissenschaftlich aktuell viel diskutiert. In der Vortragsreihe sollen unterschiedliche Facetten der Thematik interdisziplinär und mit ethischer Perspektive verhandelt werden.

 

Die Reihe beginnt am 9.10. 2018 mit einer Einführung, die sich vor allem an Studierende von SAGP richtet und an diejenigen, die das Ethikum anivisieren.

Hinweis zum Studium Generale:

Die Reihe kann auch im Rahmen des Studium Generale belegt werden Anforderungen zum Leistungsnachweis

--------------------------------------------

16.10.18                    

Sorgende Gemeinschaften? Zum demenzfreundlichen Umbau der Gesellschaft zwischen sozialstaatlichem Sparmodell und Emanzipationsgewinn – Dr. Mike Laufenberg, TU Berlin

Seit einiger Zeit wird von Bund und Kommunen die Vision einer „demenzfreundlichen“ Gesellschaft entworfen, in der die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Demenz zur humanitären Herausforderung für die gesamte Zivilgesellschaft erklärt wird. Es ist von "sorgenden Gemeinschaften" die Rede, in denen soziale Teilhabe von Menschen mit kognitiven Einschränkungen verstärkt über Selbsthilfe und ehrenamtliches Engagement ermöglicht werden soll. Unter den gegebenen Bedingungen läuft diese Entwicklung einerseits Gefahr, den mangelnden Ausbau sozialstaatlicher Transfer- und Dienstleistungen in der Altensorge abzufedern. Am Beispiel des Konzepts der „demenzfreundlichen Kommune“ wird gezeigt, dass bürgerschaftliche Sorgepraktiken Menschen mit Demenz andererseits Emanzipationsgewinne in Form von steigender sozialer Partizipation und Selbstbestimmung ermöglichen können. Ausgehend von diesem Spannungsverhältnis wird ein Vorschlag unterbreitet, wie gemeinwesenorientierte Care-Arrangements jenseits der Dichotomie von sozialstaatlichem Sparmodell und idealistisch verklärter Sorgegemeinschaft zu fassen wären.

 

30.10.18                  

Caring Capitalism?  Ein kritischer Blick auf die Vergesellschaftung des Sorgens - Prof. Dr. Aulenbacher, Johannes Keppler Universität Linz

Waren Care und Care Work über lange Zeit die unabdingbaren und zugleich entnannten Voraussetzungen kapitalistischen Wirtschaftens, so erstreckt es sich heute in neuer Weise darauf. Der Beitrag setzt sich anhand der Vermarktlichung und Rationalisierung kritisch mit dieser Entwicklung auseinander und fragt, wie sie Care und Care Work verändert.

 

6.11.18                      

Religiöse Aspekte jüdischer Sozialarbeit im Wandel – Prof. Dr. Nina Kölsch-Bunzen, Hochschule Esslingen

Im Jahr 2017 ist die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) 100 Jahre alt geworden. Die Geschichte der ZWST ist geprägt von tief erschütternden Brüchen, weist aber auch Kontinuitäten auf. Mittlerweile zählt die ZWST zu den sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Jeder dieser Spitzenverbände ist in der  ethischen Grundhaltung im Laufe seiner geschichtlichen Entwicklungen von je unterschiedlichen weltanschaulichen und/oder religiösen Einflüssen mitgeprägt. Während die weltanschaulichen und die christlichen Motive in Lehrwerken für Studierende zur Einführung in die Theoriegeschichte der Sozialen Arbeit bearbeitet werden, finden die religiösen Grundlagen jüdischer Sozialarbeit kaum je Erwähnung. Dabei ist es durchaus lohnend für alle an Sozialer Arbeit Interessierte, sich auch mit den ethische Grundlegungen dieses kleinsten Spitzenverbandes  auseinanderzusetzen, in dessen Zentrum übrigens der Begriff der Zedaka, der Gerechtigkeit, steht, ein Begriff, der ja auch in der aktuellen Diskussion in der Sozialen Arbeit eine wichtige Rolle spielt. Dieser Vortrag dient als erste Einführung in die Thematik

 

13.11.18                    

Pflege und Ethik – Prof. Dr. Giovanni Maio, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Albert-Ludwigs-Universtität Freiburg

 

 

 

20.11.18    Termin muss krankheitsbedingt entfallen

Immer ich bleiben. Selbstsorge, Authentizität und die Missachtung der Fürsorglichkeit - Dr. Sabine Flick, Institut für Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt

Einigkeit besteht zeitdiagnostisch darüber, dass man man selbst sein möchte und muss und die Sorge darum als Selbstsorge beschreibbar ist. Gerade der Wandel der Arbeit und seine Folgen rufen Selbstsorge auf den Plan. Was aber ist Selbstsorge und was sind die Vorstellungen des Selbst, dass sich da selbstversorgt? Welches Selbst möchte man und welches selbst kann man eigentlich sein? Der Vortrag greift diese Fragen auf und zeigt, dass der Wunsch danach, man selbst zu sein, in gegenwärtigen Arbeitsverhältnissen mit einer vergeschlechtlichten Polarisierung der Anerkennung kollidiert.

 

27.11.18                    

Was können Studien, die die Geschichte der Einrichtungen für Menschen mit Behinderung für die Zeit nach 1945 fokussieren leisten? Das Beispiel der Diakonie Stetten – Dr. Gudrun Silberzahn-Jandt, Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart

 

Viele ehemals als „Anstalt“ bezeichnete große Institutionen für Menschen mit Behinderung oder der Jugendfürsorge lassen ihre Geschichte erforschen. Der Blick auf den Alltag zeigt, wie solche „totalen Institutionen“ funktionierten, wie und wo Gewalt erfahren und auch geduldet wurde und wie der Alltag den selbst formulierten Ordnungen und Prinzipien einer protestantischen Ethik widersprach. Neben ehemaligen Mitarbeitenden erzählen auch die dort als sogenannte „Pfleglinge“ versorgten von ihren Erfahrungen, Widerständigkeiten und Einschränkungen, aber auch Freiräumen.

 

4.12.18                      

Kultursensible Pflege für ältere Migrantinnen und Migranten – Dr. Jagoda Rosul-Gajic, Leiterin der Stabsstelle Vielfalt, interkulturelle Öffnung und gleichgeschlechtliche Lebensweisen im MünchenStift

 

Der Anteil pflegebedürftiger Migrantinnen und Migranten wird in den kommenden Jahren steigen. Dadurch ergibt sich eine wachsende Vielfalt, die einer kultursensiblen Begleitung von hochbetagten Menschen bedarf mit dem Ziel, verschiedenen Lebenserfahrungen in der Einrichtung einen Platz zu geben. Es ist auch eine ethische Frage, mit der Vielfalt gut umgehen zu müssen.

Aber was beinhaltet eine kultursensible Betreuung für Migrantinnen und Migranten? Wie gelingt es, die ethnische, religiöse und kulturelle Buntheit in teil- und vollstationären Pflegeeinrichtungen zu berücksichtigen und zu leben?

 

11.12.18                        

Kreativwerkstatt: Mutige Organisationsentwicklung im Krankenhaus – Lea Friedrich und Alexander Warnke, Kreativwerkstatt der DRK Kliniken Berlin

 

Als frisch examinierte Pflegende sehen wir unsere Aufgabe nicht nur in einer menschenwürdigen Patientenversorgung innerhalb dieses starren Gesundheitssystems, das den Gürtel für Menschlichkeit immer enger schnürt, sondern wir nehmen uns den Herausforderungen der aktuellen Pflegesituation in Deutschland an, werden selbst aktiv und öffnen einen Gestaltungsfreiraum innerhalb der Krankenhausmauern, in dem wir mit Kreativität eine Pflegekultur und eine Haltung zum eigenen Handeln auf den Stationsfluren etablieren möchten. Kreativwerkstatt Berlin zugesagt

 

18.12.18                       

Das Familienbild des Bundesgesetzgebers: Gemeinsame Erziehung nicht vorgesehen – Prof. Dr. Christopher Schmidt, Hochschule Esslingen

 

Der Gesetzgeber geht im Fall zusammenlebender Eltern von der Hausfrauenehe, bei getrennt lebenden Eltern vom Residenzmodell aus. Pflege und Erziehung der Kinder wird als das natürliche Recht der Mutter verstanden – und als die zuvörderst ihr obliegende Pflicht. Der Vortrag zeigt insoweit legislativen Reformbedarf. Gleichzeitig soll eine Diskussion der Thesen des Referenten ermöglicht werden.

 

8.1.18                           

Geteilte Erfahrungen in der Sorgearbeit von Psychiatrie-Erfahrenen, Sozialarbeiter*innen und Wissenschaftler*innen –  Eindrücke aus einem Promotionsprojekt – Josephina Schmidt

 

Im Vortrag wird ausgehend von dem Promotionsprojekt „Frauen in stationären Wohnheimen der Sozialpsychiatrie“ die Care-Praxis des Mutterseins von psychiatrieerfahrenen Frauen, Sozialarbeiterinnen als ihren Bezugsmitarbeiterinnen und von Forscherinnen in den Fokus genommen und reflexiv eingeholt. Die Aushandlungen des Mutterseins als geteilte Erfahrungen mit unterschiedlichen Perspektiven werden dabei in den Blick genommen. Hierzu werden neben Forschungsstand und Forschungsansatz, erste Rekonstruktionen der Interviewdaten vorgestellt und ethische und theoretische Bezüge des Forschungsthemas aufgezeigt.

 

15.1.18                         

Professionelles Pflegehandeln (auch) ethisch gut begründen - Bedeutung und Anforderungen – Prof. Dr. Annette Riedel, Hochschule Esslingen

 

Der Vortrag zeigt wiederkehrende ethische Fragestellungen im Kontext der Pflege auf und verweist auf die (zunehmende) Bedeutung von Ethikkompetenzen, ethischer Reflexion und ethisch begründeter Entscheidungen in der  professionellen Pflege.


 

Online bewerben für das Sommersemester 2019!

Achtung, nur bis zum 15. Januar 2019 läuft die Bewerbungsphase.
Abweichende Bewerbungsschlüsse für einige Master-Studiengänge

Jetzt bewerben