Zehntklässler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums entdecken die Vielfalt des Ingenieurberufs

Studium - Mobilität und Technik - Maschinen und Systeme

Was genau machen eigentlich ein Ingenieur oder eine Ingenieurin? Mit dieser Frage im Kopf begannen rund 30 Zehntklässlerinnen und Zehntklässler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums aus Stuttgart-Sillenbuch ihren Besuchstag an der Hochschule Esslingen. Gemeinsam mit ihren MINT-Lehrern Max Riedlinger und Simon Llosa waren sie kürzlich an die Hochschule gekommen, um Einblicke in technische Studiengänge und Ingenieurberufe zu erhalten – und damit auch Orientierung für die Zeit nach dem Abitur.

Direkt zu Beginn erläuterte Prof. Dr.-Ing. Michael Auerbach von der Fakultät Mobilität und Technik, der den Schulbesuch organisiert hatte, den Jugendlichen, was den Ingenieurberuf für ihn ausmacht: „Ein Ingenieur ist ein Problemlöser. Er setzt eine Idee, die in der Realität noch gar nicht existiert, in die Praxis um“, sagt Auerbach.

Wie aus solchen Ideen konkrete Projekte werden, erfuhren die Schülerinnen und Schüler im Laufe des Tages an verschiedenen Stationen der Fakultäten Mobilität und Technik, Maschinen und Systeme sowie Angewandte Naturwissenschaften, Energie- und Gebäudetechnik. Betreut wurden die Programmpunkte von Professorinnen und Professoren sowie Mitarbeitenden der beteiligten Fakultäten.

Technik wird greifbar

Der Weg von der Idee zur praktischen Umsetzung begann für die Schülerinnen und Schüler am Beispiel eines Handyhalters. Sie erfuhren, wie aus einem ersten Entwurf mithilfe von CAD zunächst ein digitales 3D-Modell entsteht – und wie später daraus ein fertiges Produkt wird. Bei der Station zum autonomen Fahren überlegten die Jugendlichen gemeinsam, was ein Fahrzeug braucht, um selbstständig fahren zu können – von digitalen Karten über leistungsfähige Rechner bis hin zu Ampeln, die mit Autos kommunizieren können. Ein kleines Modellauto, das selbstständig Hindernissen ausweichen konnte, machte das Thema besonders greifbar.

Nach einer Pause im Café Einstein, bei der auch Fragen rund ums Studieren beantwortet wurden, standen Strömungen, Energie und Wärme im Mittelpunkt. Besonders eindrucksvoll war für viele Schülerinnen und Schüler die Station von Prof. Dr.-Ing. Friedemann Schrade: Mit Nebel und Laserlicht machte er Strömungsbewegungen sichtbar, die mit bloßem Auge sonst nicht zu erkennen wären. Viele hielten den Moment mit dem Handy fest und nannten ihn später als eines der Highlights des Tages. Anschließend erfuhren die Jugendlichen, wie Eis als Wärmequelle genutzt werden kann.

Am Nachmittag ging es unter anderem um Windräder im Windkanal und den Flugsimulator der FTAG. Außerdem lernten die Jugendlichen den Rennstall der Hochschule kennen. Dort wurden ihnen selbst entwickelte Rennfahrzeuge gezeigt sowie ein Elektromotorrad vorgeführt.

Viele Einblicke, viel Praxis

Gerade die Mischung aus Vorträgen, Laborbesuchen und Ausprobieren kam bei den Jugendlichen gut an. Noah, 17 Jahre alt, war vor allem beeindruckt davon, wie viel Zeit sich die Hochschule für die Gruppe nahm.

„Alleine, dass man sich so viel Mühe für uns gibt, hätte ich niemals erwartet. Dass sich sogar so viele Professoren und Professorinnen die Zeit nehmen, uns zu zeigen, was sie machen, ist wirklich der Wahnsinn. Besonders toll fand ich, dass man so viele Einblicke in verschiedene Bereiche bekommt und einen guten Eindruck davon, was man hier alles studieren kann“, sagt Noah.

Sein Freund Christian (15) pflichtet ihm bei. Besonders überrascht hat ihn, wie praktisch und vielseitig der Tag gestaltet war:

„Ich fand alles total spannend, vor allem den Flugsimulator. Ich dachte vorher, wir hören heute vor allem theoretische Vorträge – ich hätte nicht erwartet, dass uns so anschaulich gezeigt wird, wie technische Ideen umgesetzt werden und woran an der Hochschule geforscht und gearbeitet wird. Wenn mich jemand fragt, ob ich den Besuch weiterempfehlen würde: auf jeden Fall“, sagt Christian.

Orientierung für die Zeit nach dem Abitur

Für Lehrer Max Riedlinger war genau das ein wichtiger Punkt des Besuchs. Technische Berufsfelder lassen sich im Schulalltag oft nur begrenzt vermitteln – umso wichtiger ist es für ihn, dass die Schülerinnen und Schüler solche Anwendungen vor Ort erleben.

„Die Schülerinnen und Schüler bekommen in der Schule oft noch kein genaues Bild davon, was man später mit Technik eigentlich machen kann. Umso wertvoller ist es, dass sie hier sehen, was damit konkret möglich ist. Wir haben in der Schule zum Beispiel selbst einmal ein kleines Windrad gebaut – und hier erleben sie solche Themen in einem deutlich größeren Maßstab“, sagt Riedlinger.

Dass der Tag neue Perspektiven eröffnete, zeigte sich besonders bei Fatma (16):

„Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich den Ingenieurberuf und ein Ingenieurstudium überhaupt gar nicht auf dem Schirm hatte für meine Zukunft nach dem Abitur – aber jetzt kann ich mir tatsächlich vorstellen, Ingenieurin zu werden.“

Genau solche Einblicke wollte Michael Auerbach mit dem Schulbesuch ermöglichen. Die Jugendlichen sollten erleben, dass Ingenieurwesen nicht nur aus Theorie besteht, sondern aus ganz konkreten Aufgaben: Ideen entwickeln, Lösungen finden und Technik in die Praxis bringen.

„Wir wollten den Schülerinnen und Schülern zeigen, was der Ingenieurberuf alles hergibt – mit all seinen Facetten. Und wenn sich danach die eine oder der andere vorstellen kann, selbst Ingenieurin oder Ingenieur zu werden, freut uns das natürlich umso mehr“, sagt Auerbach.

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