Schüler-Ingenieur-Akademie: Windkraftprojekt zwischen Klassenzimmer und Hochschule

Hochschule - Fakultäten - Maschinen und Systeme

Schülerinnen und Schüler des Georgii-Gymnasiums und des Theodor-Heuss-Gymnasiums Esslingen haben kürzlich an der Hochschule Esslingen ihr Jahresprojekt der Schüler-Ingenieur-Akademie (SIA) abgeschlossen: In Zusammenarbeit mit der Hochschule und dem Esslinger Unternehmen INDEX entwickelten und testeten sie über ein Schuljahr hinweg selbst gebaute Rotoren für eine Modellwindkraftanlage – um technische Theorie hautnah erlebbar zu machen und sich auf Studium und Berufswelt vorzubereiten.

Mit konzentrierten Blicken beobachten die Schülerinnen und Schüler, wie sich ihr selbst gebauter Rotor im Windkanal dreht. Wochenlang haben sie geplant, gefeilt, gerechnet und getestet – nun zeigt sich, wie effizient ihr Rotor arbeitet. Für die Teilnehmenden der Schüler-Ingenieur-Akademie (SIA) Esslingen markiert der Praxistag an der Hochschule zugleich den Abschluss eines besonderen Projekts: Über ein Schuljahr hinweg beschäftigten sie sich mit technischen und ingenieurwissenschaftlichen Themen der Windenergie – und konnten damit sogar eine mündliche Abiturprüfung ersetzen.

Die Schüler-Ingenieur-Akademie Esslingen verbindet Schule, Hochschule und Industrie. Schülerinnen und Schüler des Georgii-Gymnasiums Esslingen und des Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG) Esslingen besuchen dabei über ein Jahr hinweg regelmäßig die Hochschule Esslingen, erhalten Einblicke in Vorlesungen und setzen technische Projekte praktisch um. Im Mittelpunkt stehen dabei die Entwicklung und der Bau eines eigenen Rotors für ein Modellwindrad. Unterstützt wurden die Jugendlichen dabei unter anderem durch die Hochschule Esslingen sowie das Esslinger Unternehmen INDEX, einen weltweit führenden Hersteller von CNC-Drehmaschinen und Produktionssystemen.

Mehr Praxis als im Schulunterricht

Besonders der Praxisbezug unterschied das Projekt für viele Teilnehmende deutlich vom normalen Unterricht. 

„Im Vergleich zum normalen Schulunterricht hat man hier viel mehr Praxis und kann Dinge selbst ausprobieren – das ist viel näher an der Realität", sagt der 16-jährige Alexander. Auch andere Schülerinnen und Schüler empfanden die SIA als deutlich praxisnäher als den Schulalltag. „In der Schule lernt man zum Beispiel Induktion – hier sieht man dann endlich, was man damit tatsächlich machen kann", 

sagt die 17-jährige Lara.

Gleichzeitig erhielten die Jugendlichen Einblicke in den Hochschulalltag und konnten erleben, wie Vorlesungen und praktische Projektarbeit an einer Hochschule ablaufen. „Es ist ein guter Einblick ins Studentenleben", sagt Lara. Für viele Teilnehmende wurde dadurch greifbarer, wie Lernen und Arbeiten nach der Schulzeit aussehen können.

Einblicke in Studium und Berufswelt

Neben den technischen Erfahrungen bot die SIA den Schülerinnen und Schülern auch Orientierung für die Zukunft. Die Jugendlichen konnten dabei Hochschulalltag und Unternehmen kennenlernen und herausfinden, welche Themen sie besonders interessieren. Einige denken inzwischen sogar darüber nach, später einen technischen oder ingenieurwissenschaftlichen Studiengang zu wählen.

Auch Lehrer Bernd Ackermann (THG), der die Gruppe gemeinsam mit einem Kollegen des Georgii-Gymnasiums betreut, sieht darin einen wichtigen Mehrwert des Projekts: 

„Die Schülerinnen und Schüler bekommen die Möglichkeit, mal über den Tellerrand hinauszuschauen und Zukunftsluft zu schnuppern." 

Gleichzeitig erlebten die Jugendlichen dabei auch den Unterschied zwischen Schule und Hochschule: „Die ersten Vorlesungen sind für manche erstmal kaltes Wasser", sagt Ackermann, „aber eigentlich schaffen es am Ende immer alle."

Auch aus Sicht der Hochschule Esslingen bietet die SIA den Schülerinnen und Schülern realistische Einblicke in Technik, Studium und den Ingenieurberuf. Besonders gut eigne sich dafür der Bau einer Modellwindkraftanlage, weil die Jugendlichen dabei Theorie und Praxis direkt verbinden – von der Auslegung des Rotors bis zum Test im Windkanal, sagt Projektbetreuerin Prof. Dr.-Ing. Sandra Hartl. Für sie macht die SIA besonders spannend, „dass man sieht, wie aus Neugier technisches Verständnis entsteht".

Technik zum Ausprobieren

Besonders in Erinnerung bleiben vielen Teilnehmenden die praktischen Projektphasen – vom Bau des Rotors über die Arbeit bei INDEX bis hin zu den Tests im Windkanal. 

„Viele wissen gar nicht, wie viel hinter so einem Windrad steckt. Hier versteht man besser, wie das alles wirklich funktioniert." 
Lehrer Bernd Ackermann (THG)

Auch das gemeinsame Arbeiten spielte eine große Rolle. Die Stimmung innerhalb der Gruppe sei über das gesamte Jahr hinweg sehr positiv gewesen. 

„Man kommt einfach mal weg vom normalen Schulalltag und lernt andere Dinge kennen", sagt der 17-jährige Louis.

Im kommenden Schuljahr startet die SIA Esslingen erneut mit neuen Teilnehmenden. Für die diesjährigen Schülerinnen und Schüler bleibt vor allem die Erfahrung, technische Inhalte nicht nur theoretisch kennenzulernen, sondern selbst praktisch umzusetzen.


Weitere Informationen:
Prof. Dr.-Ing. Sandra Hartl, Projektbetreuerin
 

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