„Suffizienz“ – „Effizienz“ – „Konsistenz“ – „Masterplan“

Diese vier Begriffe bildeten die Eckpunkte des Online-Vortrags „Handlungspfade hin zu einer umweltfreundlichen und zuverlässigen Energieversorgung“ von Prof. Dr. Gerhard Saupe am 2. Dezember 2020. Im Rahmen der Kolloquien der Fakultät „Gebäude-Umwelt-Energie“, moderiert von Prof. Dr. Werner Braun, folgten 246 Studierende und Gäste konzentriert dem weitgespannten Themenbogen des Vortrags:

Der immer noch viel zu große Einsatz von fossiler Energie, die beunruhigenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimaproblem, die besondere Verantwortung Deutschlands wegen seiner weit überdurchschnittlichen Klimagas-Emissionen, die Konsequenzen der nunmehr angestrebten Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad bzw. 2 Grad, der Einstieg in einen völkerrechtlich verbindlichen Klimaschutz (u.a.: Kyoto-Protokoll von 1997, Pariser Abkommen von 2015), die EU-Gesetzgebung mit Zielvorgaben für 2030 und 2050, die Akteure und Treiber des Klimaschutzes – und auch die Hemmsteine.

Zwischen diesen Sachpunkten lud Gerhard Saupe immer wieder auch zu einem ganz grundsätzlichen Nachdenken über die Hintergründe der uns bedrohenden Fehlentwicklungen ein, und benannte dabei u.a. kulturelle, psychologische und soziale Aspekte sowie wirtschaftliche und politische Fehlsteuerungen.

Schließlich die Frage: wie könnte der Klimawandel nun tatsächlich noch rechtzeitig begrenzt werden? Dazu diskutierte Gerhard Saupe hauptsächlich die vier folgenden Lösungselemente und folgte damit den Ansätzen aus der aktuellen Nachhaltigkeits- und Transformationsforschung:

„Suffizienz“: Jede und jeder fängt bei sich selber an und prüft, was man wirklich benötigt und welche Ressourcen man gerechterweise für sich in Anspruch nehmen kann.

„Effizienz“: Hier sind u.a. die Ingenieurinnen und Ingenieure gefragt, unsere Technologien und Anwendungsprozesse im Sinne des Klimaschutzes weiter zu optimieren

„Konsistenz“: Die Energiebereitstellung soll so erfolgen, dass sie mit den Gegebenheiten des Lebensraumes Erde verträglich ist – das heißt insbesondere: CO2 - neutral.

„Masterplan“: Das übergreifende Ziel klar festlegen, dafür ein abgestimmtes, technisch und wirtschaftlich durchgerechnetes Gesamtkonzept erstellen, für gesellschaftliche Akzeptanz werben, Zwischenziele definieren, evtl. notwendige Nachjustierungen einplanen, Investitionen auslösen und absichern

Bereits seit längerer Zeit habe die Wissenschaft immer detaillierter ausgearbeitete Pläne dieser Art vorgelegt – im Vortrag wurde dazu ein ganz aktuelles Beispiel vorgestellt. Die Gesellschaft und die Politik müssten diese Konzeptionen aber auch endlich aufgreifen und konsequent umsetzen, und sich nicht länger mit kosmetischen Scheinmaßnahmen aufhalten. Auch seien sich viele Menschen noch nicht ausreichend darüber im Klaren, so Saupe, dass jetzt viele liebgewordene Lebensgewohnheiten, manche etablierte Geschäftsmodelle und überhaupt die finanzwirtschaftliche Steuerung grundsätzlich verändert werden müssten, v.a. mittels einer wirkungsvollen CO2-Bepreisung, und dass dafür nur noch ein kurzes Zeitfenster offenstehe.

Zum Abschluss zeigte Gerhard Saupe diese Folie mit Kinderszenen - als bildlichen Appell, ernsthaft für weltweite Klima- und Generationengerechtigkeit zu sorgen und so unseren Nachkommen einen bewohnbaren Planeten zu hinterlassen. Die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten dazu seien vorhanden, konkrete Konzepte lägen vor – aber erforderlich sei nun eine weltumspannende Kulturleistung, eine Abkehr von übersteigertem Individualismus und Eigennutz, wozu sich die Menschen jetzt bereit machen und auch ihre politischen Vertreter entsprechend beauftragen müssten.

Dem Vortrag schloss sich noch eine längere und engagierte Diskussion mit vielen interessanten Fragen und Meinungsbeiträgen an. Dabei ging es u.a. um die Möglichkeiten des „Geo-Engineering“ und um die Notwendigkeit einer intensiven Sektorkopplung in der künftigen Energiewirtschaft.

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Christiane Rathmann
M.A. Christiane Rathmann