Stationärer Einzelhandel hat eine Überlebenschance

Experten haben an Praxisbeispielen beim Hochschultag „Markt und Vertrieb“ in Göppingen erklärt, wie stationäre Händler sich gegen den Onlinehandel durchsetzen können.

Göppingen. „Der stationäre Handel wehrt sich“, fasst Professor Rainer Elste, Marketingprofessor am Göppinger Campus der Hochschule Esslingen, die Vorträge und Gespräche beim Hochschultag „Markt & Vertrieb“ jüngst zusammen. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, könnten clevere Einzelhändler der scheinbaren Übermacht von großen Onlinevermarktern durchaus etwas entgegensetzen. Es war Zufall, dass der 4. Hochschultag zum Thema Handel in der Black-Week kurz vor dem Black-Friday stattgefunden hat – aber es hat ganz gut gepasst. Denn während sich zwischenzeitlich auch die deutschen Händler an diesem aus den USA stammenden Aktionstag sowohl online als auch im Fachgeschäft große Rabattschlachten liefern, stellte sich bei der Veranstaltung in der IHK in Göppingen die Frage, wie es mit dem vor allem stationären Einzelhandel weitergeht. Das Organisationsteam um Professor Rainer Elste, Dr. Peter Saile, Geschäftsführer von der IHK und Reiner Lohse von der Wirtschafts- und Innovationsfördergesellschaft des Landkreises, hatten zum Hochschultag kompetente Fachleute aus der Praxis eingeladen.

So auch Wolfgang Schweizer, der mit seinem Nähmaschinen-Fachgeschäft in der Göppinger Innenstadt schon früh das Internet als Werbeplattform entdeckt hat. Er sieht seinen Webshop vor allem auch als Marketinginstrument und Informationskanal. 90 Prozent der Kunden haben sich online schon umgeschaut, bevor sie in den Laden kommen, um sich final beraten zu lassen. Einige seiner Kunden treten hierzu eine mehrstündige Autofahrt an. Manche treffen die Kaufentscheidung dennoch nicht sofort, bestellen nach kurzer Bedenkzeit aber zu Hause im Webshop. „Ohne den Webshop in seiner Vielfalt, wären sie aber nicht auf uns aufmerksam geworden.“ Dieses hybride Modell mache den Erfolg aus – vor allem auch in der Nische.

Rainer und Simon Frey, die in Uhingen mehrere Bekleidungsfachgeschäfte betreiben, winken beim Thema Onlineshop ab. „Wir können und wollen das Einkaufserlebnis mit den Tausenden von Artikeln nicht ins Internet übertragen“, sagt Simon Frey, der gemeinsam mit seinem Vater ausführlich berichtet, wie man sich als Fachgeschäft am Markt etablieren kann – mit immer wieder neuen Ideen, Beratung und Aktionen. „WLAN, Kaffeemaschine und Wasserspender gehören zum Beispiel dazu. Und: Wir akzeptieren seit einiger Zeit auch Kreditkarten“, sagt Simon Frey. Was bei den Zuhörern für Schmunzeln sorgt, ist für das traditionsreiche Fachgeschäft kein einfacher Schritt gewesen. Zwar könne dort noch mit D-Mark bar bezahlt werden, moderne Bezahlmöglichkeiten aber seien aufwändig zu implementieren – und oft auch teuer, darum müssten die Schritte wohl überlegt sein.

Voll im Onlinebusiness ist der Küchenartikelhersteller WMF aus Geislingen. Jonas Hahn, dort für die Onlinestrategie zuständig, berichtete von der Umsetzung und den Hürden, die es anfangs gab. Die WMF setze weiter auf Filialen und stationäre Verkaufsflächen, müsse aber auch digitale Kanäle bedienen, um sich am Einkaufsverhalten der Menschen zu orientieren. Er ist überzeugt, dass der stationäre Handel parallel zum Onlinegeschäft stabil bleibe, wenn es entsprechend konkurrenzfähige Angebote gebe.

Professor Rainer Elste ist sich sicher: „Man muss dem Kunden ein Einkaufserlebnis bieten, das man online nicht bekommen kann.“ Moderne Technik wie Augmented Reality, die auch den Spieltrieb der Kunden aufnehmen, oder eine entsprechende Atmosphäre im Fachgeschäft können dabei helfen. Die Verkaufsflächen des stationären Handels steigen – obwohl man eigentlich einen anderen Trend vermuten könnte. Das zeige, dass die Kunden eben nicht nur online unterwegs sind, sondern Shopping vor der Haustüre nach wie vor im Trend ist.

 

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