Rückblick: Gesundheit als Spielball der Interessen (Uni der Generationen)

Dr. Wolfgang Wodarg hat am Campus Göppingen bei der „Uni der Generationen“ das deutsche Gesundheitssystem kritisch beleuchtet. Das Interesse war groß.

Der renommierte Gesundheitsexperte Dr. Wolfgang Wodarg hat bei der Uni der Generationen in Göppingen den Wettbewerb der Krankenkassen scharf kritisiert. In Teilen sei dieser nicht im Sinne der Solidargemeinschaft, auf die das gesamte, selbstverwaltete System der Gesundheitsversorgung in Deutschland baue. Grundsätzlich sei der liberale Wettbewerb der Kassen gut, denn das fördere theoretisch die Verbesserung der Leistungen für die Patienten. Dass aber zum Beispiel jede der gut 100 Krankenkassen in Deutschland individuelle Rabattverträge mit Pharmaherstellern hat, sei ein Unding. Vor allem, wie diese hinter verschlossenen Türen verhandelt werden. Statt einen Vertragswettbewerb sollte es ein Leistungswettbewerb sein, wünscht sich Wodarg. Dies war nur ein Beispiel, das für viel Kopfschütteln bei der Vorlesung an der Hochschule in Göppingen sorgte.

Wolfgang Wodarg gilt als einer der profiliertesten Kenner des Gesundheitssystems der Bundesrepublik mit seinen Licht- und Schattenseiten. Er ist Mediziner, war 15 Jahre im Deutschen Bundestag und dort unter anderem Sprecher der SPD-Fraktion in der Enquête-Kommission Ethik und Recht der modernen Medizin. Als Hochschullehrer in Flensburg und als Vorstandsmitglied bei Transparency International hat Wolfgang Wodarg ein besonderes Augenmerk auf die Verstrickungen von Ärzten, Ärzteverbänden, Krankenkassen, Pharmaunternehmen, Kliniken und Therapeuten gelegt.

In seinem Vortrag hat er diese Verbindungen aufgezeigt und dargestellt. Immerhin gelte es rund 350 Milliarden Euro, die der Markt in Deutschland hergibt, aufzuteilen. Allein 230 Milliarden Euro davon stammen aus den Beiträgen der gesetzlich Krankenversicherten. Der Kampf um diese Milliarden sei nicht immer ganz sauber und es werde an vielen Stellen getrickst: Patienten in Kliniken werden kränker gemacht, als sie sind, um durch überzogene Leistungen und Geld zu kommen. Chefärzte würden von den Kapitalgesellschaften, die sich zurzeit in großem Stil in Kliniken einkaufen, entsprechend angewiesen. Das sei längst ein offenes Geheimnis in der Branche. Großzügige Kooperationen zwischen Kliniken und Pharmaindustrie seien an der Tagesordnung. Wodarg stellt die Frage offen: „Wo hört die Kooperation auf – und wo beginnt die Korruption?“ Die Grenzen verfließen oft. Vor zwei Jahren hat der Gesetzgeber einige der offensichtlichsten Beeinflussungsmöglichkeiten verboten. Pharmalobby und vor allem Kliniken, hinter denen heute oft großen Private Equity-Gesellschaften stehen, seien aber bei der Umschiffung sehr kreativ, um sich – zumeist jedenfalls – innerhalb der Gesetze zu bewegen. Und wenn nicht: „Die Strafen, die den Pharmaunternehmen auferlegt werden, sind im Verhältnis zu ihrem Umsatz verschwindend gering und wahrscheinlich bereits kalkuliert“, vermutet der Experte, der viel Verbesserungspotenzial im deutschen Gesundheitssystem sieht.

Zu Beginn der Veranstaltung betonte der Göppinger Oberbürgermeister in seinem Grußwort so nicht ohne Grund, dass es die richtige Entscheidung gewesen sei, das neue Krankenhaus im Landkreis Göppingen in kommunaler Trägerschaft zu belassen.

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