KI@CAMPUS Folge 2: Auf den DACHS gekommen!

Hochschule - Fakultäten - Informationstechnik

KI@CAMPUS, Folge 2

Künstliche Intelligenz (KI) ist bereits an zahlreichen Stellen an der Hochschule Esslingen im Einsatz. Um das vorhandene Wissen zu bündeln, Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen zu vernetzen und mögliche Einsatzfelder sowie bestehende Lücken in Expertise und Strukturen sichtbar zu machen, hat die Hochschule vor Kurzem ein White Paper veröffentlicht.

In unserer Reihe KI@CAMPUS wollen wir nun einmal genauer hinschauen, wie KI an unserer Hochschule genutzt und wo sie zukünftig zum Einsatz kommen wird. 

In Folge 2 gehen wir direkt an die technische Basis und haben hierfür Prof. Dr. Rainer Keller besucht. Der Prodekan Informatik und Informationstechnik hat uns in die Katakomben des Campus Flandernstraße geführt, um das Herzstück aller KI-Aktivitäten an der Hochschule zu zeigen. 

Ein „Haustier“ mit enormer Leistung

Es gibt ja Büro‑Hunde. Und auch Büro-Fische sind durchaus verbreitet. Doch an der Hochschule Esslingen gibt es ein ganz besonderes „Haustier“: einen Dachs! Zugegeben, keinen gewöhnlichen Dachs, sondern den DACHS – das Daten‑Analyse‑Cluster der Hochschulen. Gemeinsam mit zehn weiteren Partnerhochschulen aus Baden‑Württemberg (Aalen, Albstadt‑Sigmaringen, Heilbronn, Karlsruhe, Mannheim, Offenburg, Reutlingen, HTWG Konstanz, HfT Stuttgart und TH Ulm) hat die Hochschule Esslingen dieses High‑Performance‑Computing‑System (HPC) aufgebaut.

Herzstück der KI‑Strategie an der HE 

Für alle, die nicht täglich mit IT jonglieren: Ein HPC‑Cluster ist eine „Super‑Engine“, welche riesige Datenmengen in Rekordzeit parallel verarbeiten kann. Ohne diese Rechenpower bleibt Künstliche Intelligenz eine Utopie. Der DACHS liefert genau dieses Fundament – von Machine‑Learning‑Modellen über Bild‑ und Spracherkennung bis hin zu komplexen Simulationsaufgaben im Maschinenbau. 

„Unser DACHS verfügt über 48 Rechenknoten, davon 45 mit der leistungsfähigen NVIDIA L40S GPU. Diese nutzen wir für Bild‑ und Objekterkennung per KI, kann aber auch für die Entwicklung eines Chat‑Bots und vieles mehr verwendet werden“, erklärt Prof. Dr. Rainer Keller, Prodekan Informatik und Informationstechnik an der Hochschule Esslingen, der das Projekt neben anderen Verantwortlichen mit betreut. 

Knoten – das sind die Festplatten, die Prof. Keller zur Demonstration aus den riesigen Server-Schränken herauszieht und die aussehen wie Pizzakartons. 

„Zusätzlich gibt es Spezial‑Knoten mit AMD MI 300A, NVIDIA H100 und NVIDIA H200, die das Training von Deep‑Learning‑Modellen beschleunigen – etwa bei Projekten zur automatischen Mustererkennung in medizinischen Bilddaten“, so Prof. Keller weiter. 

Insgesamt verfügt der DACHS über einen 700 TB parallel nutzbaren Festplattenspeicher, davon 70 TB ultraschneller NVMe‑SSD. 

In der Anschaffung war der DACHS ein recht kostspieliges „Tierchen“: Rund 1,2 Millionen Euro wurden investiert, davon steuerte das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst die Hälfte aus Fördermitteln bei. 

Ein Zuhause im Keller 

Dass den DACHS bislang nur wenige Beschäftigte je zu Gesicht bekommen haben, ist nicht verwunderlich. Fristet er sein Dasein doch tief unter der Erde, im Keller am Campus Flandernstraße. Dort fühlt er sich am wohlsten: Hier wird er rund um die Uhr gekühlt. Und das ist auch nötig, denn die Aktivitäten des DACHS produzieren eine enorme Abwärme. Letztere wird zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genutzt. Nach dem Umzug in die neue Weststadt wird dies jedoch anders werden: Dann wird die warme Luft, die an den Rückwänden des Clusters zirkuliert, rückgekoppelt und zur Warmwassergewinnung verwendet. „Zum Föhnen ideal, aber zu laut“, so Prof. Rainer Keller scherzhaft. Tatsächlich dröhnt es im DACHS-Bau gewaltig: Das permanente Brummen übertönt jede Unterhaltung. Aber hier unten im Keller stört das zum Glück keinen.

Realisiert werden konnte das Projekt Dank einer Vielzahl an Menschen an der Hochschule. Allen voran aus dem Facility Management, dem Rechenzentrum, der Werkstadt und dem Referat Forschung & Transfer (RFT), die die gesamte Infrastruktur bereitgestellt haben. 

„Aber es waren auch sämtliche Fakultäten am Aufbau des Clusters beteiligt“, sagt Prof. Rainer Keller. 

Der DACHS in Forschung, Lehre und Praxis

Der DACHS ist aber nicht nur ein technisches Rückgrat, sondern ein echter Kollaborations‑Hub, der den Austausch zwischen den Hochschulen fördert und Innovationen beschleunigt. So können Studierende und Dozierende Knoten für Labor‑Übungen, Vorlesungen oder Projektarbeiten reservieren. Forschungsgruppen nutzen die Rechenleistung für datenintensive Studien, von KI‑Entwicklung bis zu numerischen Simulationen. Die Partnerhochschulen können ihre eigene, lizenzierte Software installieren und Ressourcen im Verbund teilen.

Das Daten‑Analyse‑Cluster ist also mehr als ein Haufen Server: Er ist ein lebendiger Partner, der die Grenzen des Machbaren verschiebt, Studierenden spannende Praxisnähe bietet und die Forschung an der Hochschule Esslingen auf das nächste Level hebt. 

„Der DACHS ist unser stiller Held. Er arbeitet im Hintergrund, lässt aber die Ideen an der Oberfläche leuchten“, so Prof. Rainer Keller. 

 

Weitere Informationen:

Hier können sie das White Paper der Hochschule Esslingen herunterladen: 

KI-White Paper 

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