Einen Blick in die Zukunft haben die Teilnehmer der Podiumsdiskussion zum Thema "Nachhaltige Mobilität" an der Hochschule Esslingen am Standort Göppingen geworfen. An der Uni der Generationen des Stadtseniorenrats haben sich die Experten wenige Tage nach dem Weltklimagipfel darüber unterhalten und waren sich in einem Punkt einig: Es müssen Technologien gefunden werden, um fossile Brennstoffe abzulösen. Doch woher soll die Energie kommen? Wer soll zum Beispiel den Strom für Elektrofahrzeuge liefern? Amadeus Regerbis von der ENBW-Regional-AG: "Der Anteil des Stromverbrauchs von Elektrofahrzeugen ist sehr gering, selbst wenn in einigen Jahren rund eine Million Fahrzeuge in Deutschland auf der Straße sind, nimmt dies keinen großen Teil des jährlichen Strombedarfs ein."
Viel Potenzial für Elektrofahrzeuge sieht auch Andreas Pohl aus dem Transporter-Segment von Mercedes-Benz: "25 Prozent der Fahrzeuge könnten bereits heute mit Strom betrieben werden, weil sie hauptsächlich für Kurzstrecken eingesetzt werden." So zum Beispiel bei Lieferdiensten oder Kurierfahrten innerhalb eines Ortes oder die Fahrt an den nahe gelegenen Arbeitsplatz. Dafür seien heute schon die Reichweiten der Batterien und Akkus in den Fahrzeugen ausgelegt.
Guido Till, Oberbürgermeister der Stadt Göppingen, berichtet mit Stolz, dass der Fuhrpark der Stadt in den vergangenen Jahren in großen Teilen modernisiert wurde. In diesen Tagen erhält die Ortspolizeibehörde zudem ein Elektrofahrzeug. "Wir wollen damit vor allem Zeichen setzen und für neue Technologien werben", berichtete Till. Dennoch wissen alle Experten, dass die Speicherung des regenerativ gewonnen Stroms heute noch ein Problem ist. Die dezentrale Versorgung sei darum einer der Schlüssel zum Erfolg. "Wir haben ein Forschungsfahrzeug umgebaut, um bei diesem Thema Erfahrungswerte zu erhalten", sagt Georg Thomas, Leiter des Kompetenz-Centers Technology von Heldele aus Salach. Das Unternehmen beschäftigt sich damit, wie und wann Fahrzeuge clever betankt werden können - zum Beispiel zu Hause oder auf dem Parkplatz am Arbeitsplatz. Überhaupt seien künftig dezentrale und teilweise individuelle Lösungen gefragt, die je nach Region unterschiedlich sein können. Andreas Pohl: "Wir alle wollen nicht, dass Lebensmittel für die Energiegewinnung eingesetzt werden". Dennoch könnte es Sinn machen, dass die je nach Region vorhandenen Ressourcen entsprechend verbraucht werden. Als Beispiel nannte er den Wasserstoff, der in der Pharmaindustrie als Abfallprodukt entsteht. Dieser könnte in den entsprechenden Regionen als Kraftstoff benutzt werden. So müsse individuell geschaut werden, wo es welche Ressourcen gibt.
Dass Wasserstoff durchaus eine Zukunft hat, davon ist Benjamin Schott, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Systemanalyse des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg, überzeugt. "Die Forschung zeigt, dass es durchaus Möglichkeiten in dieser Richtung gibt."
Professor Heinz Osterwinter von der Hochschule Esslingen, der die Diskussion leitete, ist sich sicher: "In den nächsten Jahren wird sich die Antriebstechnik und Batterietechnik enorm weiter entwickeln und viele Probleme, die es heute noch gibt, gelöst sein."
Bild: Auf dem Podium: (v.l.) Benjamin Schitt (ZSW), Georg Thomas (Heldele), Andreas Pohl (Daimler), Amadeus Regerbis (EnBW), der Göppinger Oberbürgermeister Guido Till, Prof. Heinz Osterwinter (Hochschule Esslingen)

