Georg Schmidt

Fakultät Mechatronik und Elektrotechnik
berufen zum Sommersemester 2011
Welche beruflichen Stationen hatten Sie bisher?
Der Schwerpunkt meines Studiums der Elektrotechnik an der Universität Ulm lag im Bereich der digitalen Nachrichtentechnik, Kommunikationstechnik und Codierungstheorie.
Nach meinem Studium arbeitete ich zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter im neugegründeten Institut für Telekommunikationstechnik und Angewandte Informationstheorie an der Universität in Ulm. Hier war ich zunächst mit dem Aufbau des Workstation-Netzwerkes des Instituts beschäftigt, bevor ich mit verschiedenen Forschungsprojekten zu den Themengebieten probabilistische und algebraische Decodierverfahren für Fehlerkorrekturcodes betraut wurde. Nach meiner Promotion zum Thema "Algebraische Decodierung über die halbe Mindestdistanz basierend auf Schieberegister-Synthese" erhielt ich einen Lehrauftrag der Universität Ulm für die englischsprachige Vorlesung "Advanced Channel Coding".
Im Rahmen meiner Industrietätigkeit war ich als Systemingenieur in der Abteilung "Systems Engineering & Patents" bei der Ubidyne GmbH in Ulm beschäftigt. Ich war dort für die Ausarbeitung von Systemkonzepten für aktiveAntennensysteme zuständig, wobei mein Schwerpunkt in der Entwicklung bzw. Vorentwicklung von Basisbandsignalverarbeitungsalgorithmen sowie der Simulation von Mobilfunksystemen lag. Darüber hinaus war ich an verschiedenen Forschungsprojekten beteiligt, unter anderem an dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt EASY-C, bei dem in zwei Testfeldern in Berlin und Dresden Technologien für
zukünftige Mobilfunkgenerationen evaluiert wurden.
Wie würden Sie Ihr Fachgebiet einem Laien erklären?
An der Fakultät Mechatronik und Elektrotechnik bin ich hauptsächlich für die Fächer Elektrotechnik, Digitaltechnik und Kommunikationstechnik zuständig. Dabei bildet die Elektrotechnik die physikalische Grundlage für alle drei Fächer. Von zentraler Bedeutung ist hierbei die Wechselwirkung elektrischer Ladung, deren Wirkung man beispielsweise zu spüren bekommt wenn man über einen Teppich läuft und dann eine Türklinke berührt, und von Magnetfeldern, die nicht nur von Dauermagneten erzeugt werden sondern auch stromdurchflosse Leitern umgeben. Diese elektromagnetische Wechselwirkung erlaubt es nicht nur elektrische Energie zu erzeugen und zu transportieren, sondern ermöglicht auch die Ausbreitung elektromagnetischer Wellen durch den leeren Raum und ermöglicht damit die drahtlose Kommunikation über weite
Entfernungen.
In der Digitaltechnik werden logische bzw. mathematische Operationen durch elektronische Schaltungen realisiert. Dabei steht eine funktionelle Betrachtung dieser Schaltungen im Vordergrund, d.h. es interessieren meist nicht die Ströme und Spannungen in diesen Schaltungen, sondern die logischen Funktionen die damit realisiert werden. Dies ermöglicht die einfache Beschreibung von komplexen digitalen Schaltungen mit einfachen Gleichungen Dadurch werden sehr komplexe Funktionseinheiten mit mehreren Millionen Transistoren wie beispielsweise Mikroprozessoren beherrschbar. Der Grad der Abstraktion kann dabei so weit gehen, dass man komplexe digitale Schaltungen mit einer formalen Sprache (vergleichbar einer Programmiersprache) beschreiben und durch eine Rechner synthetisieren lassen kann, ohne dabei die genaue physikalische Struktur der zugrunde liegenden elektrischen Schaltungen kennen zu müssen. Die moderne Kommunikationstechnik nutzt die Digitaltechnik um Nachrichten für die Übertragung in elektrische Signale umzuwandeln und über einen Kanal (z.B. Kupferkabel, Glasfaserleitung oder Funkkanal) zu übertragen, bzw. diese elektrische Signale im Empfänger wieder in Nachrichten zu verwandeln.
Dabei sollen über einen gegebenen Kanal möglichst viele Informationen sicher und zuverlässig übertragen werden. Dies erreicht man man durch komplexe Codierungs- und Signalverarbeitungsalgorithmen, die mit Methoden der Mathematik und Informatik entwickelt und beschrieben werden, und durch digitale Schaltungen, programmierbare Logikbausteine und Signalprozessoren realisierbar sind.
Welche Erwartungen haben Sie an Ihre Studierenden?
Ich wünsche den Studierenden dass sie das in den Lehrveranstaltungen vermittelte Wissen nicht nur konsumieren und in den Klausuren reproduzieren, sondern es kritisch reflektieren und immer auch versuchen, die Prinzipien und Ideen hinter den Formeln und Diagrammen zu verstehen. Denn nur wenn dies gelingt, sind die optimalen Voraussetzungen geschaffen, um kreativ als Ingenieur tätig zu werden und aus bekannten wissenschaftlichen und technischen Prinzipien neue Technologien zu entwickeln. Letztendlich sind es diese schöpferischen Tätigkeiten, die die Faszination des Ingenieurberufs ausmachen, auch wenn der Weg dorthin oft mit sehr viel mühsamer Fleißarbeit verbunden ist.
Warum wollten Sie an die Hochschule Esslingen berufen werden?
Die Hochschule Esslingen hat nicht nur eine sehr lange Tradition sondern auch einen hervorragenden Ruf, eine sehr gute Ausstattung und sehr enge Kontakte zur Industrie. Darüber hinaus gibt es nach meiner Erfahrung kaum Berührungsängste zwischen Lehrenden und Studierenden, was die Kommunikation sehr erleichtert und eine persönliche Lehrbetreuung ermöglicht. In einem solchen Umfeld zu Arbeiten und zu Unterrichten ist deshalb ein Privileg und macht sehr viel Spaß.
Welche Hobbies haben Sie?
Als Ausgleich zur Arbeit bin sich sehr gerne mit dem Rennrad oder mit Inlineskates unterwegs. Darüber hinaus gehe ich gerne hin und wieder zum Tauchen und spiele Trompete in einem Posaunenchor. Wenn es die Zeit erlaubt fotografiere ich auch sehr gerne.
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