PM 36/14 - Hochschule Esslingen ist ein Teil deutscher Industriegeschichte

100 Jahre Maschinenbau an der Hochschule Esslingen am 23. Mai 2014

Bildunterschrift: Rektor Prof. Dr. Christian Maercker überreicht dem Festredner EU-Kommissar Günther Oettinger einen Sterling-Motor im Miniformat – gebaut in der Fakultät Maschinenbau. Fotonachweis: Friedrich Luttenberger

(Esslingen) In Esslingen sitzen viele Unternehmen, die im Maschinenbau Weltmarktführer sind. Ihre Anfänge findet man im 19. Jahrhundert. Diese Unternehmen benötigten immer mehr Fachkräfte. Deshalb war die logische Konsequenz und auch die Anforderung der Politik vor 100 Jahren, Maschinenbauer auszubilden, die in dieser Region den Maschinenbau weiter vorantreiben. Sie sollten nicht nur hämmern, schweißen und sägen sondern auch entwickeln, konstruieren und produzieren und alle Ingenieurskompetenzen erlernen. „Maschinenbau ist die Mutter der Industrie. Ohne Maschinenbau gibt es keine Mobilität, keine Lebensqualität, kein Handwerk, keine Immobilie. Letztendlich leben wir von ihrer Ingenieurkompetenz“, sagt EU-Kommissar Günther Oettinger vor rund 250 Gästen aus den Unternehmen, Wirtschaft, Politik und der Hochschule bei den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der Fakultät Maschinenbau an der Hochschule Esslingen.
 
Es waren Fabrikanten wie Paul Dick, Robert Bosch, Friedrich Voith und weitere Unternehmer der Region, die den Weitblick hatten, die Ausbildung des Maschinenbaus in Esslingen anzusiedeln. Da der Platz in der Abteilung Maschinenbau der Württembergisch-Königlichen Baugewerkeschule in Stuttgart nicht mehr ausreichte, suchten die Verantwortlichen in Stuttgart eine Lösung. Die Idee, die Abteilung der Maschinenbauer nach Esslingen zu verlegen, kam dem Esslinger Feilenfabrikant Paul Dick. Nach jahrelangem Tauziehen gelang es letztendlich im Zusammenspiel mit der Stadt Esslingen, dem Württembergischen Ingenieurverein und einer Bürgerinitiative, dass der Fachbereich Maschinenbau nach Esslingen verlegt wurde.
 
Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger ist sich dieser Tatsache bewusst und froh, dass seine Stadt eine Hochschule hat, die ein Stück Industriegeschichte geschrieben hat. „Die letzten 100 Jahre kann  gerne als eine Erfolgsgeschichte unternehmerischer Entscheidung, bürgerschaftlichem Engagements und auch politischer Entscheidung angesehen werden“, sagt Zieger. „Auch die Weltmarktführer aus der engeren Region  stehen in enger Verbundenheit zur Hochschule Esslingen. Sie ist Kaderschmiede für den Maschinenbau. Es hätte kaum einen besseren Ort geben können, um diese Hochschule anzusiedeln.“
 
Diese Meinung vertritt auch Ingo Rust, Staatssekretär des baden-württembergischen Finanz- und Wirtschaftsministeriums. Dabei spricht er ganz aus eigener Erfahrung, denn auch er hat Maschinenbau „am Stall“ studiert, wie die Hochschule in Esslingen liebevoll genannt wird. „Die herausragende Innovationsfähigkeit und Kompetenz im Maschinenbau ist maßgebend für die ganze Industrie in unserem Land. Eine solch leistungsfähige Institution wie die Fakultät Maschinenbau der Hochschule Esslingen könnte daher nicht besser platziert sein als in Baden-Württemberg“, sagt Ingo Rust.
 
Parallelen zieht Rektor Dr. Christian Maercker zwischen gestern und heute. „Viele Probleme bleiben gleich, wir müssen immer wieder neu damit umgehen.“ So wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts Fachkräfte aus England angeworben. Das erinnere sehr stark an die zurzeit laufende Diskussion. „Wir müssen uns den Herausforderungen stellen und Veränderungen mutig entgegensehen.“ Dr. Steffen Greuling, Dekan  der Fakultät Maschinenbau, fügt hier zum Ende des Festaktes an: „In Esslingen studieren heißt, dass die Studierenden der Hochschule Esslingen in einer ganz prädestinierten Region studieren können. Sie haben eine große Auswahl an Firmen – das ist etwas ganz besonderes.“ So ist das Ziel der Hochschule Esslingen, die Erfolgsgeschichte weiter zu schreiben. In den letzten Jahrzehnten kamen hier noch weitere Fachbereiche hinzu. Deshalb wird die Geschichte weitergehen – nicht nur in den Ingenieurswissenschaften, sondern auch in den Wirtschaftswissenschaften, den Sozial- und Pflegewissenschaften.
 

Von: Cornelia Bethge