1933-1945

Staatliche Württembergische Höhere Maschinenbauschule Esslingen

Die nach der Machtübertragung auf die Nationalsozialisten erfolgte „Gleichschaltung“ wirkte auch im Alltag der Maschinenbauschule Esslingen. Mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 sollten Bürger und Bürgerinnen, die als jüdisch kategorisiert wurden, sowie politische Gegnerinnen und Gegner des Nationalsozialismus aus dem öffentlichen Leben verdrängt werden. In Esslingen wurde zwar kein Teil des Lehrkörpers  entlassen, ab dato mischte sich das nationalsozialistische Kultusministerium aber vermehrt in die Personalpolitik der Schule ein. So wurde etwa die Berufung von Otto Dick, Sohn des „Vaters der Maschinenbauschule“ Paul Friedrich Dick, in den Industriebeirat der Maschinenbauschule aus antisemitischen und "rasse"-ideologischen Gründen verhindert.

 

Auch in den Unterricht wurde von nationalsozialistischer Seite aus eingegriffen. Wie vielfach im Land wurde der Unterricht im Fach „Geschäftskunde, Staatsbürgerkunde, Volkswirtschaftslehre“ inhaltlich an die ideologischen Anforderungen des Nationalsozialismus angepasst: Unter dem neuen Namen der „Reichskunde“ sollte sichergestellt werden, dass die Studierenden eine „weltanschauliche Schulung“ im Sinne des Nationalsozialismus erhielten.

 

Die Implementierung von Ideologieaspekten des NS-Staates in das Unterrichtswesen betraf aber weit mehr als die „politische Bildung“. Aus Sicht nationalsozialistischer Bildungspolitik sollten die technischen Fachschulen den Erfordernissen des Vier-Jahres-Plans angepasst werden, also auf die Ausbildung von Technikern für den Kriegseinsatz ausgerichtet werden. Um dies auf breiter Ebene umzusetzen, wurde eine landeseinheitliche Hochschulpolitik angestrebt, die Maßstäbe zur Standardisierung setzen sollte. Die NS-Führung war also bestrebt, das technische Fachschulwesen zu vereinheitlichen und in seinen Inhalten nach den Erfordernissen deutscher Kriegspläne umzugestalten. Die Umsetzung dieser Hochschulpolitik wurde insbesondere durch den Beginn des 2. Weltkrieges und die Einberufung von Studierenden beeinflusst. Wie genau mit den Maßnahmen der NS-Hochschulpolitik in Esslingen umgegangen wurde, lässt sich aufgrund fehlender Quellen bzw. der bisher nicht erfolgten Aufarbeitung der vorhandenen Quellen bislang nicht nachvollziehen.

 

Die landesweiten Bestrebungen zur Zentralisierung des technischen Fachschulwesens in NS-Deutschland brachten schließlich auch die Umbenennung der Maschinenbauschule in „Staatliche Ingenieurschule Esslingen“ im Jahre 1938 mit sich. Auch wurde vor dem Hintergrund des Vier-Jahres-Planes 1935 eine (wenig besuchte und nach dem 2. Weltkrieg wieder abgeschaffte) Abteilung für Flugzeug- und Kraftwagenbau eingerichtet.

 

Neben den Eingriffen in die Unterrichtsinhalte, die aus ideologischen und kriegstechnischen Erwägungen heraus getroffen wurden, war die NS-Politik ab 1933 auch bestrebt, nationalsozialistisches Gedankengut in den Alltag der Staatlichen Ingenieurschule Esslingen zu tragen. Dies betraf z.B. Reden, Festtage, Fahnenapelle, die Gleichschaltung der studentischen Verbindungen und das Wirken der Fachschulschaft.

 

Die Studierendenzahlen betrugen 1933 noch knapp 450 Studierende, nahmen dann als Folge der Weltwirtschaftskrise bis 1937 stetig ab. Erst 1937 lässt sich wieder ein Anstieg der Studierendenzahlen beobachten – eine Tendenz, die durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges wieder unterbrochen wurde.

 

Auch für die Staatliche Ingenieurschule Esslingen stellte der Ausbruch des 2. Weltkrieges eine Zäsur da: Dozenten und Studierende wurden infolge des Krieges abgezogen. Das hauptamtliche Lehrerkollegium hatte durch den Krieg keine Verluste zu verzeichnen, die Höhe der Kriegstoten unter den Studierenden und Aushilfslehrern ist heute unbekannt. Die Schule erlebte die ersten Kriegsjahre unter der kommissarischen Leitung von Prof. Franz Karpinski (der vormalige Rektor Prof. Hermann Berkenhoff war kurz vor Kriegsbeginn gestorben); 1942 wurde dann Prof. Walter Eberspächer als Rektor eingesetzt. Er hatte die Leitung der Staatlichen Ingenieurschule bis Kriegsende inne.

 

In den Kriegsjahren wurden auch die Lehrkräfte zur Wehrmacht eingezogen, die Schulferien waren vom „Rüstungseinsatz“ geprägt. Die Schule hielt mit durchgängig etwa 200 Studierenden den Lehrbetrieb aufrecht und organisierte normale und so genannte „Notabschlussprüfungen“ und einen Fernunterricht für Studierende an der Front.

 


Soziale Frauenschule

Der Schwäbische Frauenverein, Träger der Stuttgarter Sozialen Frauenschule, nimmt in einer Mitgliederversammlung 1934 einstimmig die Anpassung der Vereinssatzung an die NS-Ideologie an. Die damalige Vorsitzende Emma Lautenschlager legt daraufhin ihr Amt nieder. Die neue Vorsitzende, Else Koetzle, verspricht, den Verein „im Sinne unseres Führers und zum Heil unserer Jugend“ zu führen. Ebenfalls 1934 wird die Soziale Frauenschule in „Frauenschule für Volkspflege“ umbenannt.

Anders als andere Schulen für „Volkspflege“ untersteht die Stuttgarter „Frauenschule für Volkspflege“ nicht der NS-Organisation „Nationalsozialistische Volkspflege“ (NSV), sondern bleibt in der Trägerschaft des Frauenvereins. Dieser nähert sich inhaltlich zunehmend der NS-Frauenorganisationen an. 1938 entscheiden sich schließlich die Mitglieder für die Integration des Vereins in das NS-Frauenwerk. Der Name des Vereins lautete fortan: „Deutsches Frauenwerk, Gau Württemberg-Hohenzollern Schwäb. Frauenverein e.V.“.

Ab 1938 übernimmt Dr. Margarete Junk die Leitung der Schule. 1940 erscheint das von ihr verfasste Buch „Mädelberufe in vorderster Front“, in der Union Deutsche Verlagsgesellschaft Stuttgart. Dieses Buch ist als Werbeschrift konzipiert. Angesprochen werden Schulabsolventinnen und deren Eltern. Sie sollen ermuntert werden, sich für den Beruf einer „nationalsozialistischen Volkspflegerin“ zu entscheiden.

Mit dem Begriff der „Volkspflege“ vollzieht die Autorin Dr. Margarete Junk den Paradigmenwechsel im NS von der Wohlfahrtspflege, der Sozialarbeit, der Fürsorge, wie sie in der demokratisch verfassten Weimarer Republik entwickelt wurden, zur NS-„Volkspflege“ und führt hierzu aus: „Nur dem Gesunden, Tüchtigen und Wertvollen in unserem Volke soll unsere Fürsorge dienen (...)“. Dieser Paradigmenwechsel nimmt Einfluss sowohl auf die Lehr- als auch auf die Prüfungsinhalte der Ausbildung. Dr. Margarete Junk leitet die Schule bis 1945.

Im September 1945 wird sie aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der NS-Frauenschaft, der NSDAP und des NS-Rechtswahrerbundes entlassen. Die Frauenschule bleibt unter kommissarischer Leitung bestehen.

Bereits 1947 wird Dr. Margarete Junk wieder zur Leiterin der Sozialen Frauenschule berufen und bleibt bis 1965 im Amt. Ihr Buch findet im Rahmen des Spruchkammerverfahrens („Entnazifizierungsverfahren“) keine Berücksichtigung. Bei ihrer Wiederbesetzung stuft die Prüfungskommission des Kultusministeriums ihre Haltung fälschlicherweise als „der nazistischen Ideologie und den Methoden des Regimes völlig abgeneigt“ ein.