1914-1918

1914

Die damalige Maschinenbauschule in 1914
Bildquelle: Archiv der Hochschule Esslingen

Gründung der Königlich Württembergischen Höheren Maschinenbauschule zu Eßlingen

Das Jahr 1914 markiert das Gründungsjahr der Hochschule Esslingen. In diesem Jahr wurde damals die an die Stuttgarter Königliche Baugewerkschule angegliederte „Fachschule für Maschinentechniker“ nach Esslingen verlegt. Dass es dazu kam, ist ganz besonders den großzügigen Spendenbeteiligungen zahlreicher Esslinger Bürgerinnen und Bürger sowie der Stadt Esslingen zu verdanken – sie halten den jahrelangen zähen Verhandlungen stand und machen die Verlegung erst möglich. Der Fabrikant Kommerzienrat Paul F. Dick, der bereits ab 1910 die Verlegung der Maschinenbauschule von Stuttgart nach Esslingen gefordert hatte, bringt dabei die entscheidenden Impulse und gilt somit als der Wegbereiter für den Prozess der Verlegung.  Mit dem Umzug nach Esslingen wird auch die Bezeichnung "Stall" für das neue Gebäude in der Kanalstraße weiter verwendet. Diese Bezeichnung stammt noch aus den Zeiten in Stuttgart: Die Baugewerkeschule ist im Kavaliersbau - einem ehemaligen Pferdestall - untergebracht gewesen. Von den Studenten wird das Gebäude deswegen zunächst scherzhaft, später ehrfurchtsvoll, als Stall bezeichnet. Sehr bald wird die Aussage "Ich habe am Stall studiert!" zum Gütezeichen. Dieses Gütezeichen hat bis heute seine Gültigkeit.

1915 - 1917

Königlich Württembergische Höhere Maschinenbauschule zu Eßlingen

Im Sommersemester 1915 werden an der Höheren Maschinenbauschule Esslingen erste Überlegungen bezüglich der Einrichtung von Kursen zur Ausbildung von Kriegsinvaliden angestellt. Ab Herbst 1915 werden dort schließlich gehobene Kurse für kriegsbeschädigte gelernte Arbeiter aus der Maschinenindustrie eröffnet. Die Sonderkurse sollen diesen eine Einstellung als untere maschinentechnische Beamte für den Betrieb (Werkmeister und dergleichen) und für den Zeichensaal von Maschinenfabriken und anderen industriellen Anlagen ermöglichen. Außerdem sollen sie zur Vorbereitung auf die „Meisterprüfung in einschlägigen Handwerkszweigen“  dienen. Außerordentliche Schüler, die nur kurzfristig am Unterricht teilnehmen wollen, sollen dadurch zu einer folgenden „Ausbildung als Maschinenwärter und Kranführer“  befähigt werden.

1917-1918

Werkstoffprüflabor im Jahr 1918
Bildquelle: Archiv der Hochschule Esslingen

Königlich Württembergische Höhere Maschinenbauschule zu Eßlingen

Im Frühjahr 1917 kommt es zur Schließung der Maschinenbauschule, doch die eingerichteten Sonderkurse bleiben bestehen.
Bereits mit der Schließung der Invalidenkurse im Jahre 1917 ist ein erster Schritt zurück zu einem regulären Schulbetrieb, wie er eigentlich schon für das Jahr 1914 angedacht gewesen war, getan. Auch die anderen Kurse müssen, den Anforderungen der Rüstungsindustrie geschuldet, schließlich geschlossen werden.
Dies findet jedoch erst deutlich später statt, so werden im Juli 1918 sechstägige Kurse für Spardrehstähle angeboten. Zudem wirbt die Maschinenbauschule noch in der Ausgabe des Gewerbeblatts aus Württemberg vom 24. August 1918 mit der Eröffnung eines Zeichnerinnenkurses, welcher 4 Monate dauern soll.

Ab 1917 werden weitere, hier speziell für Facharbeiter eingerichtete Kurse an der Höheren Maschinenbauschule angeboten. Zu diesen gehören beispielsweise Kurse zur Anleitung in autogenem Schweißen und Schneiden.

Am 11. November 1918 werden die Kampfhandlungen mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags in Compiègne beendet. Und schon am 16. November 1918 gibt die Höhere Maschinenbauschule Esslingen bekannt, dass der normale Unterricht an der Höheren Maschinebauschule in allen Klassen sobald als möglich wieder aufgenommen werden soll.

Ihre ehemaligen Schüler hat die Schule nicht vergessen: In einer Gedenktafel vom Juli 1915 kommt der Rückhalt der in der Heimat verbleibenden Schüler und Lehrer zum Ausdruck. Die bis dahin gefallenen Schüler werden namentlich aufgeführt und so einem breiten Leserkreis zugänglich gemacht. Die Gedenktafel hat ihren festen Platz im historischen Gebäude 1 in der Eingangshalle.


Gründung der Sozialen Frauenschule des Schwäbischen Frauenvereins in Stuttgart

Die heutige Hochschule Esslingen existiert in der jetzigen Form erst seit dem Jahr 2006, als die ehemalige Hochschule für Technik und die ehemalige Hochschule für Sozialwesen miteinander fusionieren. Mehrere Jahrzehnte co-existieren also zwei voneinander unabhängige Fachhochschulen, die somit auch geschichtlich zwei völlig unterschiedliche Stränge aufweisen. Da seit nunmehr 8 Jahren beide ehemalige Fachhochschulen eine Einheit sind und zusammengehören, wird der geschichtliche Hintergrund beider ehemaligen Hochschulen von Beginn an bis heute beleuchtet werden.

Im Jahr 1917 wird die Soziale Frauenschule des Schwäbischen Frauenvereins eröffnet. Deren Ursprung liegt nicht wie bei der ehemaligen Maschinenbauschule in Esslingen, sondern in Stuttgart. Am 15. September 1917 findet die Eröffnungsfeier statt. Die Gründung erfolgt auf der Gründung einer Stiftung I.M. Königin Charlotte im Betrag von 10.000 Mark. Dank großzügiger Schenkungen wird das Gründungskapital noch auf 25.000 Mark aufgestockt.

Auch die Gründung der Frauenschule fällt wie bei der Maschinenbauschule in die Zeit des ersten Weltkrieges. Die Schule sieht zunächst eine zweijährige Ausbildung vor, die folgene Grundsätze verfolgt: Die theoretische Ausbildung soll eine allgemein sozialwissenschaftliche sein, das Aufnahmealter nicht unter 20 und nicht über 35 und Voraussetzung für die Aufnahme ist eine abgeschlossene Ausbildung auf pädagogischem, krankenpflegerischem oder hauswirtschaftlichem Gebiet oder der Besuch einer Vorbereitungsklasse.Inhaltlich ist die Ausbildung seminaristisch sowie praktisch angelegt. Staatlich anerkannt wird die neue Ausbilungsstätte am 10.01.1918.