Vortragsreihe: Neuere empirische Forschungsergebnisse im Bereich arbeitsweltbezogener Jugendsozialarbeit

Im Sommersemester 2017 wird eine Vortragsreihe angeboten, die für die regionale Praxis geöffnet ist.
Mit der Reihe soll ein Diskussionsforum von Hochschule und Praxis in diesem Arbeitsbereich geschaffen und kontinuierlich weitergeführt werden. Vorgestellt werden Ergebnisse aus neueren Forschungen im Bereich der prekären Lebenslagen und prekärer Übergänge junger Menschen in Arbeit im Bundesgebiet und in der Schweiz.

Termine

Melanie Plößer
Christiane Micus-Loos

Montag, den 10.04.2017, 14.00-15.30 Uhr
Normative Orientierungen in Berufs- und Lebensentwürfen junger Frauen
Prof. Dr. Melanie Plößer, Hochschule Bielefeld / Prof. Dr. Christiane Micus-Loos, Hochschule Kiel

 

Den „richtigen“ Beruf zu wählen, eine Arbeit zu finden, die „Spaß“ macht – mit diesen Aufgaben sehen sich junge Menschen zum Ende ihrer Schullaufbahn konfrontiert. Die Bewältigung dieser Aufgaben  erweist sich dabei weder als Ausdruck einer autonomen Wahl noch als eindeutige Folge von im schulischen Verlauf festgestellten Fähigkeiten und Neigungen. Vielmehr zeigen sich die Berufswahlentscheidungen junger Menschen durch normative Anforderungen beeinflusst, z.B. hinsichtlich aktueller Vorstellungen über anerkennbare „Weiblichkeit“ oder „Männlichkeit“. Das belegt auch die nach wie vor bestehende Segregation des Arbeitsmarktes in vermeintliche „Frauen- und Männerberufe“. Im Rahmen des Vortrags soll deshalb der Fokus auf die Bedeutung von Geschlechternormen in den Zukunfts- und Berufsentwürfen junger Frauen gerichtet werden. Die Ergebnisse unseres Forschungsprojektes, in dem bundesweit Schüler_innen zu den Themen "Berufswahlen" und "Lebensplanungen" befragt wurden, verdeutlichen, mit welchen Anforderungen junge Frauen und Mädchen beim Übergang von der Schule ins Studien- und Berufsleben heute konfrontiert sind. So wird gezeigt, welche normativen Anforderungen von den Mädchen und jungen Frauen im Rahmen ihrer beruflichen Identitätskonstruktionen bearbeitet werden müssen. Vor diesem Hintergrund werden dann Herausforderungen und Perspektiven für die Jugendsozialarbeit diskutiert.


 

 

Frank Tillmann

Montag, den 24.04.2017, 14.00-15.30 Uhr

Mobbing-Prozesse in beruflichen Schulen

Frank Tillmann, Deutsches Jugendinstitut Halle

Das Auftreten von psychischer und physischer Gewalt durch Gleichaltrige im Rahmen der beruflichen Bildung, wie es an vielen Berufsschulen leider zum Alltag gehört, ist für die Betroffenen teils mit prägenden Leiderfahrungen verbunden – insbesondere dann, wenn sich die Übergriffe zu einer ritualisierten Praxis des Mobbings verfestigt haben. Von Zeit zu Zeit wird in den Medien öffentlich über bekannt gewordene Mobbing-Fälle an Berufsschulen berichtet, vielfach bleibt sie jedoch unsichtbar, umso mehr, als sie heute mehr denn je in Form von Cyber-Mobbing in sozialen Netzwerken verborgen bleibt. Dennoch unterliegen solche Erscheinungsformen vor allem auch der Verantwortung der öffentlichen Bildungseinrichtungen, in deren Berufsschulklassen sie stattfinden. An beruflichen Schulen bestehen hierbei besondere Rahmenbedingungen, wie z.B. die Anonymität der großen Berufsbildungszentren oder die Sondersituation in Berufsvorbereitungsklassen. Im Zuge eines von der Aktion Mensch geförderten Forschungs-Praxis-Projekts, welches von Dezember 2014 bis Januar 2017 vom Deutschen Jugendinstitut durchgeführt wurde, konnte nun eine empirische Analyse von Mobbing-Phänomenen in Berufsschulklassen erfolgen. Dabei wurden Mobbingphänomene in acht Berufsschulklassen mittels qualitativer Interviews mit Betroffenen, TäterInnen und PädagogInnen aber auch auf Grundlage soziometrischer Verfahren untersucht. Die Ergebnisse zeigen, welche Mechanismen und Prozesse in Berufsschulklassen wirksam werden und welche Präventions- und Interventionsansätze sich in der beruflichen Bildung besonders eignen.


Tobisa Studer

Montag, den 08.05.2017, 14.00-15.30 Uhr
Erziehung durch und mit Arbeit? Männlichkeit, Integration und Arbeit in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe.
Tobias Studer, Fachhochschule Nordwestschweiz, Olten

Institutionen der stationären Jugendhilfe in der Schweiz gehen historisch mit der Vorstellung einher, Jugendliche über Arbeit in die Gesellschaft zu integrieren. Es sind vor allem männliche Jugendliche und junge Männer, die in den „Arbeitserziehungsanstalten“ aufgenommen wurden. Heutige Berufsbildungsheime der Jugendhilfe müssen mit einem Erbe umgehen: der Tradition einer oft entwürdigenden Arbeitsbelastung ohne Lohn und Sozialversicherung bis ins 20. Jahrhundert, bei der weniger die erzieherischen Anliegen im Vordergrund standen, sondern die wirtschaftliche Sicherung des Heimes. Der Vortrag greift die Thematik auf und diskutiert die Frage, inwiefern in den untersuchten Institutionen der vorgestellten Forschung die gesellschaftliche Teilnahme über Arbeit und Berufsausbildung gewährleistet wird. Ziel des Vortrags ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Aspekt der gesellschaftlichen Integration über Arbeit, respektive mit der Frage, ob sich die Sozialpädagogik durch die Orientierung an Arbeitsintegration auch alternative Denkmöglichkeiten der Jugendhilfe im Kontext der beruflichen Ausbildung verschließt.


Sabrina Ahmed

Montag, den 15.05.2017, 14.00-15.30 Uhr
Scheitern in Biografien sogenannter sozialbenachteiligter junger Menschen
Sarina Ahmed, Fachhochschule Nordwestschweiz, Basel

Die Studie zu sogenannten sozial benachteiligten jungen Frauen und Männern fokussiert (die Sinnmuster der) Biografien junger Frauen und Männer, die die Schule ohne Schulabschluss oder mit einem Hauptschulabschluss verlassen haben, die daher an Maßnahmen der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit/Jugendberufshilfe gemäß § 13 SGB VIII teilnehmen und in diesem Zusammenhang im Kontext Sozialer als sozial benachteiligt gelten. Auf der Basis von biografisch-narrativen Interviews richtet sich das Erkenntnisinteresse auf die Orientierungen dieser jungen Frauen und Männer im Hinblick auf ihre Biografien sowie auf die Frage der lebensweltlichen Bedeutung und handlungspraktischen Bearbeitung der institutionellen Zuschreibung sozial benachteiligt zu sein. Im Vortrag wird mit Blick auf empirisches Material diskutiert, was es bedeutet die „Stimme der Adressaten“ zur Geltung zu bringen und bezugnehmend auf unterschiedliche Fallbeispiele wird das komplexe Wechselverhältnis Adressierung durch Soziale Arbeit und Selbstpositionierung von Adressat_innen beleuchtet.

Sarina Ahmed ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Kinder- und Jugendhilfe, Hochschule für Soziale Arbeit, Fachhochschule Nordwestschweiz.“


 

 

Montag, den 22.05.2017, 14.00-15.30 Uhr
Schwer erreichbare Jugendliche: Eine Herausforderung für die Jugendsozialarbeit.
Prof. Dr. Joachim Merchel, Hochschule Münster

Für Einrichtungen der Jugendsozialarbeit bleiben einige Jugendliche, an die sie sich mit ihren Angeboten wenden, „schwer erreichbar“. „Schwere Erreichbarkeit“ kann sowohl aus den Lebensverhältnissen der Jugendlichen als auch aus den Strukturen und Angeboten der Einrichtungen resultieren: Jugendliche und Einrichtungen finden keine tragfähigen Anknüpfungspunkte zueinander. Auf der Grundlage von Ergebnissen eines Forschungsprojekts werden im Vortrag Thesen zur Diskussion der Frage entwickelt, worin die Gründe liegen für die „schwere Erreichbarkeit“ einiger junger Menschen und wie bessere Anknüpfungspunkte gefunden werden können zwischen „schwer erreichbaren jungen Menschen“ und Einrichtungen der Jugendsozialarbeit. Dabei werden auch die Rahmenbedingungen, unter denen Einrichtungen der Jugendsozialarbeit tätig sind, in den Blick genommen.

Veranstaltungsort

Hochschule Esslingen
Campus Flandernstraße
Gebäude 1, Hörsaal H5 (F01.015)

Fragen zu den Vorträgen:

Ansprechpartnerin für die Veranstaltungseihe ist Prof. Dr. Claudia Daigler
claudia.daigler(at)hs-esslingen.de.

Anmeldung:

Die Vorträge sind kostenlos. 
Um eine formlose Anmeldung zu den einzelnen Vorträgen per E-Mail wird gebeten über: Vortragsreihe-Jugendsozialarbeit(at)hs-esslingen.de