Nachbericht zum Fachtag „Flucht und Asyl – Geflüchtete, Ehrenamtliche und Fachkräfte im Dialog“ an der Hochschule Esslingen

Prof’in Dr’in Nivedita Prasad von der Alice Salomon Hochschule Berlin

Mehr als 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten am 13. Mai 2016 an der Hochschule Esslingen am Standort Flandernstraße den Fachtag „Flucht und Asyl - Geflüchtete, Ehrenamtliche und Fachkräfte im Dialog“. Die Veranstaltung stieß bereits im Vorfeld auf großes Interesse und war schon zwei Wochen vorher ausgebucht. Begrüßt wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die hauptsächlich aus dem Landkreis Esslingen und der Stadt Stuttgart und Umgebung kamen, von Prof. Dr. Christian Maercker, dem Rektor der Hochschule Esslingen, dem Landrat des Landkreises Esslingen, Heinz Eininger, sowie Ministerialdirigent Gerhard Segmiller, der die Abteilung „Gesellschaft“ beim Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg leitet und Prof’in Dr‘in Astrid Elsbernd, Dekanin der Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege der Hochschule Esslingen. Die renommierte Sozialwissenschaftlerin Prof’in Dr’in Nivedita Prasad von der Alice Salomon Hochschule Berlin hielt den Hauptvortrag zum Thema „Menschenrechte und Soziale Arbeit mit geflüchteten Personen“. Ihr Vortrag machte deutlich, dass die Menschenrechte als Bezugsrahmen z.B. für das Leben in den Gemeinschaftsunterkünften gelten müssen und regte den ganzen Tag über zu Diskussionen an.

Der von Studierenden und geflüchteten Menschen realisierte Kurzfilm mit dem Titel „voices“ bewegte die im Saal Anwesenden und gab Einblicke in die Erfahrungen von Geflüchteten über ihre erste Zeit in Deutschland.  

Das Thema Mehrsprachigkeit zog sich durch die ganze Veranstaltung: In allen Formaten konnten entweder Englisch- und Arabisch-Dolmetscherinnen und -Dolmetscher oder schriftliche Übersetzungen angeboten werden.

Der sog. „Perspektiven-Dialog“ war als Einladung zur Auseinandersetzung und Diskussion über grundlegende Fragen im Zusammenhang mit dem Thema „Flucht und Asyl“ (ähnlich der bekannten Methode des World Cafés) konzipiert. Dieser Möglichkeit kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer rege nach und trugen ihre Gedanken und Ideen zum Thema zusammen.  

Nach der Mittagspause versammelten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in ihre jeweiligen, am Vormittag ausgewählten, Workshops. Die Workshops wurden durch Professorinnen und Professoren der Hochschule Esslingen sowie Fachkräften aus der Praxis und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landratsamts Esslingen geleitet. Es konnten 15 Workshops angeboten werden, so dass in Gruppen von 10 – 30 Personen Themen bearbeitet werden konnten. Sehr gefragt waren z.B. die Themen  „Grundlagen des Asylverfahrens“, „Selbstorganisation von geflüchteten Personen, Ehrenamt und Soziale Arbeit“ und „Chancen für Geflüchtete in der Ausbildung und auf dem Arbeitsmarkt“.

Prof‘in dr‘in Julia Gebrande, Professorin an der Hochschule Esslingen, fasst ihren Workshop „Traumatisierung von geflüchteten Personen“ so zusammen: „Nicht alle Menschen, die aktuell nach Deutschland kommen, sind durch die Erfahrungen in ihrem Herkunftsland und/oder ihrer Flucht traumatisiert. Aber viele haben potentiell traumatisierende Erlebnisse gemacht und müssen diese Erlebnisse verarbeiten und bewältigen. Sie brauchen traumasensible und –pädagogische Unterstützung im jeweiligen Aufnahmeland, um keine Folgeprobleme zu entwickeln und mit den Belastungen umgehen zu können. Für Fachkräfte, Ehrenamtliche sowie für die Betroffenen selbst ist es daher wichtig, unterschiedliche Folgen kennenzulernen, die traumatisierende Erfahrungen hinterlassen können und sich damit auseinanderzusetzen, was für Bewältigungsprozesse hilfreich sein kann.“

Der Fachtag endete bei geselligem Beisammensein mit Gebäck, Kaffee und Gesprächen im Foyer. Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzen diese Möglichkeit, Kolleginnen und Kollegen aus ähnlichen Arbeitsgebieten, sowie Ehrenamtliche und Menschen mit Fluchterfahrung kennen zu lernen und neue Netzwerke zu bilden.

Ein Fazit: Der Fachtag zeigte eindrucksvoll – bereits in der Anmeldephase – den großen Bedarf von Ehrenamtlichen, Geflüchteten und Fachkräften aus der Sozialen Arbeit, Verwaltung und ähnlichen Berufsfeldern nach Austausch, Netzwerkbildung und Fortbildungsmöglichkeiten. Mit dem Fachtag konnten das Landratsamt Esslingen und die Hochschule Esslingen in erfolgreicher gemeinsamer Arbeit solch eine Plattform bieten.

Positionspapier (Hinweis durch Frau Prof. Dr. Prasad in ihrem Vortrag am Fachtag):

"Soziale Arbeit mit Geflüchteten in Gemeinschaftsunterkünften - Professionelle Standards und sozialpolitische Basis"

 

 

Von: Katja Kienzle