Erfolgreicher Fachtag zum Thema „Bildungsgerechtigkeit, Diskriminierungskritik und Diversity“ am Campus Flandernstraße

Eindrücke vom Fachtag. Foto: Hochschule

Eindrücke vom Fachtag. Foto: Hochschule

Wer hat eine Chance auf Bildung? Wie gerecht sind die Zugänge zu Bildung? Und welche Rolle spielen Barrieren und Diskriminierungserfahrungen in diesem Zusammenhang? Mit diesen Fragen beschäftigten sich am 12. November mehr als 200 Besucherinnen und Besucher im Rahmen des Fachtag „Bildungsgerechtigkeit, Diskriminierungskritik und Diversity“ am Campus Flandernstraße.


Eröffnet wurde die Veranstaltung zunächst mit Vorträgen von renommierten ExpertInnen im Bereich Migration, Diversity, Bildungsgerechtigkeit und Inklusion. Dr.in Birgit Rothenberg (TU-Dortmund) sprach in ihrem Vortrag darüber, wie (nicht-) inklusiv deutsche Hochschulen sind, wie behinderte oder beeinträchtigte Studierende die Studiensituation wahrnehmen und welche Bedarfe sie haben. Sie stellte das Selbstbestimmt Leben-Prinzip vor und konkretisierte, wie dieses zur Inklusion von behinderten oder beeinträchtigten Personen an Hochschulen beitragen kann. Prof. Dr. Paul Mecheril (Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg) forderte einen selbstreflexiven Umgang mit Vielfalt und Diversität auch an Hochschulen. Lehrende und Lernende sollten sich mit der eigenen (Lehr- und Lern-)Praxis auseinandersetzen – statt zu einer Reproduktion von Ungleichheit und Bildungsungerechtigkeit durch die Illusion von Chancengleichheit durch das Prinzip Leistung beizutragen. Gerade Bildungsinstitutionen können in unserer Gesellschaft einen Raum schaffen, in dem vorgegebene Wissensbestände infrage gestellt, Vorurteile hinterfragt und Grenzen überschritten werden können.

Nach den Vorträgen konnten die Teilnehmenden diese Themen in verschiedenen Workshops vertiefen und in einen Diskurs einsteigen. So ging es zum Beispiel um den Umgang mit Mehrsprachigkeit im Studium, um das Thema der sexuellen Belästigung und Gewalt an Hochschulen oder um religionssensible Dialoge mit Kindern in Kindertagesstätten.

Drei Ausstellungen rahmten den Fachtag. Ergebnisse aktueller Studien zu Diskriminierungserfahrungen von Studierenden an der Hochschule Esslingen sowie zur Zugangs- und Studiensituation von Studierenden aus „Drittstaaten“ und von Studierenden mit Beeinträchtigungen oder chronischer Krankheit wurden präsentiert.

Die zahlreichen Teilnehmenden und das große fachliche Interesse verdeutlichen den hohen Stellenwert, den die Themen Bildungsgerechtigkeit, Diskriminierungskritik und Diversity für die Hochschule und die Stadt Esslingen sowie für die Gesellschaft einnimmt. Es war eine gelungene Auftaktveranstaltung für eine weitere Auseinandersetzung mit Fragen der (Bildungs-)Gerechtigkeit. Die Rückmeldungen der BesucherInnen waren durchweg positiv – genauso zufrieden waren die OrganisatorInnen der Veranstaltung – die Arbeitsgruppe Bildungsgerechtigkeit, Diskriminierungskritik und Diversity. Zur AG gehören Studierende, Beschäftigte und Lehrende aus unterschiedlichen Fakultäten sowie ehemalige Studierende und Interessierte aus der Stadt Esslingen. Über Zuwachs würde sich die AG sehr freuen, um weitere Schritte in Richtung einer „Hochschule für alle“ begehen zu können.

Der Vortrag von Dr.in Birgit Rothenberg "Das Selbstbestimmt-Leben-Prinzip und die (nicht)inklusive Hochschule" kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Von: Juliane Steck