Selbstbestimmung grenzenlos!?

10. Württembergischer Betreuungsgerichtstag am 6. März an der Hochschule Esslingen, Standort Flandernstraße

Das aktuelle Betreuungsrecht möchte die Selbstbestimmung der Betreuten stärken. Im Regelfall können Betreute weiterhin Rechtsgeschäfte abschließen und persönliche Entscheidungen selbst treffen. Die auch in Deutschland geltende UN-Behindertenrechtskonvention stärkt zudem die Rechte der Betroffenen. Der gerichtlich bestellte Betreuer hat den Wüns­­­chen des Betreuten zu entsprechen, soweit dies dessen Wohl nicht zuwiderläuft und dem Betreuer zuzumuten ist. Wo liegen jedoch die Grenzen der Selbstbestimmung? Ein Mensch ohne Betreuung kann jegliche Hilfe bei Krankheit und extremen Lebenslagen ablehnen. Hat ein Mensch mit Betreuung auch ein Recht auf Krankheit? Oder darf er sich sogar selbst schädigen? Und wenn ja, in welchem Rahmen? Darf die betreute Person selbst über das Maß an Körperpflege entscheiden - bis hin zur Verwahrlosung? Ab wann haftet dann ein Betreuer, sofern er zwar den Wünschen des Betreuten entspricht, diese jedoch dem „objektiven“ Wohl des Betreuten zuwiderlaufen?

Dieses Spannungsfeld zwischen Freiheitsrechten der Betreuten und Fürsorgepflichten der Betreuer ist nicht neu, bestimmt aber immer noch die Praxis. Über 300 TeilnehmerInnen aus der Richterschaft, Notare, Berufs- und ehrenamtliche Betreuer sowie VertreterInnen der Betreuungsbehörden, Betreuungsvereine und der Wissenschaft werden sich am 10. Württ. Betreuungsgerichtstag diesen Themen annehmen. Das Programm – moderiert von Fernsehjournalist, Jo Frühwirth – setzt sich aus Vorträgen und der Arbeit in Diskussionsgruppen zusammen. Herr Justizminister Stickelberger ist Schirmherr der Veranstaltung.

Die bundesweit stattfindenden Betreuungsgerichtstage sind ein wichtiges Dialogforum und geben wesentliche Impulse für die Fortentwicklung des Betreuungsrechtes (http://www.bgt-ev.de). Auch der Austausch von Praktikern mit Forschung und Lehre ist zentral. Diese Fachtagung findet daher alle zwei Jahre im Wechsel an den Hochschulen Esslingen und Ravensburg-Weingarten statt. Im Jahr 2015 wird der Württembergische BGT von der HS Esslingen, Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege, zusammen mit dem Fachverband „Betreuungsgerichtstag e.V.“ ausgerichtet.

 

Referate stellen das Recht auf Behandlung (Alexander Menges MBA, MIM, Leitender Oberarzt, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Freudenstadt) und das Recht auf Krankheit gegenüber (Peter Winterstein, 1. Vorsitzender des Betreungsgerichtstages, Vizepräsident des OLG Rostock).

In den Arbeitsgruppen werden außerdem folgende Themen in moderierten Workshops intensiv bearbeitet und diskutiert.

Das Programm zum Download finden Sie hier

Arbeitsgruppen

Verwahrlosung – zwischen Selbst-bestimmung und Fürsorge

Walter Dörrer, Berufsbetreuer, Stuttgart

Markus Ruoff, Gemeindepsychiatrisches Zentrum Stuttgart-Freiberg


Selbstbestimmungsrecht der Betreuten und Haftungsängste der Betreuer

Waltraud Löchner-Grau, Berufsbetreuerin, Auenwald

Katja Kopf, Richterin am Amtsgericht Schwäbisch Hall

 

Demenz und Selbstbestimmung

Günther Schwarz, Fachberatung Demenz, eva Stuttgart

Dr. med. Ernst Bühler, Internist, Klinische Geriatrie, Kreiskliniken Esslingen

 

Selbstbestimmung und freier Wille

Alexander Menges MBA, MIM, Freudenstadt

Till Jakob, Vizepräsident AG Stuttgart

Klaus Dittrich, Betreuungsbehörde Stuttgart

 

Das neue PsychKHG und die Auswirkungen auf das Betreuungsrecht

Prof. i. R. Konrad Stolz, Hochschule Esslingen

Gabriele Brenner, LVPEBW e. V., Stuttgart

 

Gesetz zur Stärkung der Funktionen der Betreuungsbehörde

Klaus Gölz, Betreuungsbehörde Stuttgart

Christopher Reith, Notariat Göppingen

 

Brauchen wir eine Betreuung “Light”?

Maren Dobberthien, Justizministerium BW

Gerold Oeschger, Berufsbetreuer, BGT, Radolfzell

 

Selbstbestimmung in Pflegeheimen

Thilo Naujoks, Geschäftsführer Städt. Pflegeheime Esslingen

Ursula Werner, Ev. Akademie Bad Boll

 

Die Themen der früheren Betreuungsgerichtstage in Württemberg können auf der Homepage des Bundesverbandes eingesehen werden: www.bgt-ev.de/wuerttembergischer-bgt.html

 

Von: Prof. Dr. Alexander Schmid, Juliane Steck