Erfahrungsbericht 3: University of Alabama, Birmingham, AL, USA
Organisation
Ich hatte mich im Sommer 2000 entschieden ein Auslandssemester im Frühjahr 2001 zu absolvieren. Daraufhin kontaktierte ich einen Professor der Fachhochschule in Esslingen, um mich über die Möglichkeiten zu informieren. Er bat mich zu seiner Sprechstunde und setzte mich mit einem Verantwortlichen der UAB in Verbindung. Ich schickte dann im September meine Bewerbungsunterlagen nach Birmingham und bewarb mich für den Spring und Summer term 2001. Daraufhin bekam ich die Formulare der UAB zugesandt, die ich ausfüllen und zusätzlich einreichen musste. - Hierbei handelt es sich um ein Gesundheitsformular und ein Bewerbungsformular für ein Wohnheimplatz. Man muss damit rechnen, dass man aufgrund der strengen Gesundheitsnormen noch einige zusätzliche Impfungen vornehmen muss, um die Anforderungen zu erfüllen. Zusätzlich zu diesen Formularen muss man noch eine Bürgschaft über ausreichende finanzielle Unterstützung von einer Bank mit einreichen. Es ist deshalb unbedingt ratsam einen Auslandsaufenthalt mindestens ein halbes Jahr vorher oder noch früher zu planen. - Nachdem ich diese Formulare alle vollständig Ende Oktober nach Birmingham schickte kam Anfang Dezember die Zusage und die Unterlagen, die für ein Visa notwendig sind. - Die Beantragung für ein Studentenvisa beim Amerikanischen Konsulat in Frankfurt dauert auf dem formellen Postbeantragungsweg ungefähr 6 Wochen, deshalb ist es ratsam persönlich nach Frankfurt zu fahren und die Unterlagen einzureichen. Dies stellt auch sicher, dass man alle notwendigen Bewerbungsunterlagen einreicht. - Neben der Bewerbung für einen Studienplatz musste ich mich auch für eine Unterkunft in einem Wohnheim bewerben Dies würde ich nicht mehr empfehlen, da ein Wohnheim sehr teuer ist (ungefähr $300 pro Monat für ein shared room) und man keine Einrichtungsgegenstände, sprich Lampen, Besteck, Geschirr und Putzsachen vorfindet. Sicher ist es die einfachste Lösung, um von Deutschland aus an eine Unterkunft zu kommen. Ich würde mich aber heute genauer bei dortigen Professoren oder Zuständigen informieren, um eine WG oder ein Apartment zu bekommen, was vom Preis-Leistungsverhältnis besser ist. Nachdem ich schliesslich die Zusage bekam konnte ich mich um den Flug und die Auslandskrankenversicherungen kümmern, was keinen grossen Aufwand darstellte.
Bei der ganzen Organisation ist wichtig, dass man frühzeitig beginnt und von Beginn an das Akademische Auslandsamt mit einbezieht. Ich habe dies zwar nicht getan, da ich durch den Professorenkontakt direkt mit den Zuständigen der UAB in Verbindung gebracht wurde, aber der offizielle Weg ist über das AAA. Ich wurde deshalb auch von Frau Maleska kontaktiert, da der Zuständige der UAB sie über meine Bewerbung informiert hat. Das AAA kann auch noch hilfreiche Informationen und organisatorische Unterstützung bieten.
Anreise
Am 11. März bin ich von Stuttgart über Atlanta nach Birmingham, Alabama geflogen. Dort hat mich der Auslandsbeauftragte der Universität am Flughafen abgeholt und in das Wohnheim gefahren. Glücklicherweise war der Beginn des Spring terms erst am 21. März. So konnte ich noch die notwendigen Einrichtungsgegenstände für das Wohnheim besorgen, mich ein wenig in Birmingham umschauen und die Kurse auswählen und anmelden, die ich belegen wollte. - Es ist auf jedenfall ratsam mindestens eine Woche vor Studienbeginn anzureisen, um sich um solche Dinge kümmern zu können. Man muss sich auch noch persönlich bei dem dortigen Akademischen Auslandsamt vorstellen, in die Gesundheitsabteilung der Universität gehen, um alle Impfungen überprüfen zu lassen und einen Studentenausweis beantragen. Dies ist alles aufwendig, da man sich zu den zuständigen Ämtern und Personen immer durchfragen muss.
Studium
Ich belegte im Spring term 4 Kurse (Marketing, Industrial Distribution, Operations Management und Entrepreneurship) und im Summer term ebenfalls (International Marketing, Industrial Distribution Operations, Human Resource Management und Quality Control). Der Spring term ging von 21. März bis 6. Juni und der Summer term von 11. Juni bis 10. August. Das Studiensystem ist nicht wie an einer Fachhochschule. Es ist sehr schulähnlich. Man hat Anwesenheitspflicht, es gibt Mitarbeitsbewertungen, man bekommt Hausaufgaben und man schreibt mindestens zwei meistens aber drei Klausuren pro Kurs in einem Term, die auch häufig im Multiple Choice Verfahren sind. Aufgrund der vielen Klausuren, Hausarbeiten und Präsentationen bedeuten vier Kurse sehr viel Lern- und Zeitaufwand. Obwohl man jeden Kurs nur vier Stunden die Woche hat, und man dann eigentlich sehr viel Freizeit haben müsste, würde ich niemandem mehr als vier Kurse empfehlen, eher weniger, damit man von dem Land mehr mitbekommt. Was mir sehr gut gefallen hat, sind die Professoren an der Universität. Es ist üblich, dass sie jeden ihrer Studenten persönlich beim Namen kennen. Dies lässt ein persönlicheres Verhältnis zu und gibt einem das Gefühl nicht einer unter vielen zu sein.
Wohnen
Nach dem ersten Term hatte ich die Möglichkeit aus dem Wohnheim in eine WG mit 5 Mitbewohnern zu ziehen. Darunter waren zwei Amerikaner, ein Südafrikaner, eine Vietnamesin und ein Deutscher, der übrigens mit mir in die USA ging. Durch den Umzug hatte ich auch die Möglichkeit viele Einheimische kennen zu lernen und Freunde zu finden. In der Universität ist dies eher schwierig, da die Studenten nur zu den Kursen kommen und danach sofort wieder gehen. Sie sind meist sehr beschäftigt, da fast alle neben dem Studium noch arbeiten, um die teuren Studiengebühren zu bezahlen. Die WG war billiger als das Wohnheim und brachte mir das amerikanische Studentenleben viel näher.
Reisen
Aufgrund des hohen Studienaufwands und dem hohen Dollarkurs konnte ich nicht soviel von den USA besichtigen. Dennoch hatte ich die Möglichkeit zweimal mit einer Freundin, die aus New Orleans kam und in Birmingham studierte, zu ihr nach New Orleans zu fahren. Dies ist ungefähr 6 Stunden mit dem Auto von Birmingham entfernt und unbedingt zu empfehlen. Einmal hatte ich auch noch die Gelegenheit nach Pensecola, Florida zu fahren, wo auch eine Bekannte herkam. Durch diese Kurzreisen konnte ich einen Eindruck über die vielfältige Landschaft im Süden der USA gewinnen und mich von der Schönheit überzeugen.
Um solche Kurztrips zu machen und auch in einer Stadt wie Birmingham, die ungefähr 900000 Einwohner hat, herumzukommen, ist es ratsam sich ein günstiges Auto zuzulegen. In Birmingham gibt es kaum öffentliche Verkehrsmittel und Lebensmittelgeschäfte sind nicht direkt an der Universität. Deshalb ist ein Auto eine grosse Hilfe. Man muss beim Kauf allerdings darauf achten, dass man alles Papiere und eine Eigentumsübereignung bekommt und kann dann den Wagen nach Abschluss einer Versicherung (internationaler Führerschein notwendig) ohne Probleme anmelden. Wichtig ist, dass man den Wagen frühzeitig vor der Abreise zum Verkauf offeriert, damit man auch auf jeden Fall einen Käufer findet. Ich habe einen Pick Up Truck gehabt, was ich nur empfehlen kann, da man diesen gerade in den Südstaaten leicht wieder verkaufen kann.
Stadt und Universität
Die Stadt Birmingham ist eine Industriestadt mit einer teilweise sehr armen hauptsächlich schwarzen Bevölkerung und einer sehr wohlhabenden meist weissen Schicht. Aufgrund der rassistischen Vergangenheit sind sicherlich in der älteren Generation noch Vorurteile gegenüber schwarzen Bürgern zu hören, aber in der jüngeren Generation ist dies eher die Ausnahme.
Die UAB ist mit ungefähr 15000 Studenten und 16000 Arbeitnehmern der grösste Arbeitgeber von Birmingham. Die Universität ist durch die Medical School in der USA sehr bekannt und geniesst einen sehr guten Ruf. Die Business School, in der ich studiert habe, ist Nummer 73 in den USA und ist sehr fortschrittlich. Es gibt ausreichend und hochmoderne PCs, sowie in jedem Vorlesungszimmer einen Beamer und PC für die Professoren, die meist auch ihre Vorlesungen mit diesen Medien gestalten. Das Industrial Distribution Programm der Business School ist eines von wenigen (ungefähr 20) in den gesamten USA und hat ein sehr gutes Ansehen. Gerade in Birmingham ist das Distributionsgeschäft sehr gross. Es sind auch einige grosse Distributionsfirmen der USA ansässig.
Ich war sehr mit der Universität zufrieden und das Leben in Birmingham hat mir auch gut gefallen. Ich kann jedem empfehlen ein Auslandssemester in Birmingham zu machen. Die Menschen dort sind sehr freundlich und man hat sehr gute Studienbedingungen.
Dieser Auslandsaufenthalt hat sehr viel zu meiner Lebenserfahrung beigetragen und war eine neue Herausforderung für mich. Ich bin froh diesen Schritt gemacht zu haben und kann mir gut vorstellen nochmals für längere Zeit, sei es studienbedingt oder arbeitsplatzbedingt, ins Ausland zu gehen.
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