Erfahrungsbericht 2: Sheffield Hallam University (SHU), GB
Bericht
Sheffield hat ca. 500.000 Einwohner und liegt im Zentrum Englands ca. 50 Kilometer östlich von Manchester.
Semesterdaten Sheffield Hallam University
middle of September - middle of January - one week off- middle of January - end of June
Noten-Umrechnungstabelle England
über 70% 1,0
60-70% 2,0
50-60% 3,0
40-50% 4,0
unter 40% nicht bestanden
Housing: Wohnheimsplatz zwischen 600 und 800 DM pro Woche, Einzelzimmer, ca. 6-8 Leute Klo und Küche gemeinsam aber eigentlich nicht schlecht.
Am Anfang des Semesters gibt es eine House hunting week, jedoch fast alle Zimmer nur für 1 Jahr zu vermieten! Aber für 1 Jahr ist es wirklich kein Problem für wesentlich weniger Geld als im Wohnheim eine passable Wohnung zu finden.
Lebensunterhalt: Alkohol, Zigaretten und Benzin kosten noch mehr wie bei uns.
Flug nach England in der Normalsaison (kein Sonderpreis) ja 500-600 DM
Fähre nach England: Returnticket ca. 350 DM
Busfahrt nach England (London) 120 DM (Preise ohne Gewähr!)
Jetzt kommt noch einige exklusive Auszüge aus Mails an die gute alte Heimat in Esslingen, die ich noch gefunden habe um Euch zu erheitern und Ihr nicht dieselben Fehler wie ich macht.
Also vor genau 8 Tagen ging es also am Montag morgen mit dem Auto in Richtung Sheffield los. Ich traf mich mit Achim einem Kommilitonen, der hier seinen Abschluß machen möchte an der Araltankstelle am Pragsattel. Hier installierten wir erst einmal unsere Funkgeräte (Vielen Dank an den großzügigen Antennen und Funkzubehörverleiher, es war wirklich unglaublich Klasse die Funkgeräte dabei zu haben, denn sie haben sich besonders im Stau und in England beim linksfahren bewährt, was jedoch erstaunlich gut klappte und eigentlich gar nicht so schwer ist). Dann ging es endlich los und gegen 16:00 Uhr waren wir dann auch endlich in Calais nachdem wir uns ein paar mal ein klein wenig verfahren hatten.
Endlich in Calais mußten wir jedoch feststellen, daß wir falsch informiert worden waren und es wesentlich billiger gewesen wäre eine Fähre im voraus zu bestellen, aber wir machten das Beste daraus und nahmen eine Fähre nach 20:30 Uhr, die dann einiges billiger war. Doch leider fiel diese Fähre aufgrund eines technischen Defektes aus und wir konnten erst um 21:45 Uhr übersetzen. Dank der Zeitverschiebung schon um kurz nach halb elf angekommen, machten wir uns auf die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit, da wir jedoch erst einmal im Zoll ausgefragt und kontrolliert wurden und das auch mindestens eine viertel Stunde dauerte und uns dann auch noch verfuhren und dann sofort auf der Autobahn nach London landeten und umdrehen mußten, waren wir erst um halb 12 an der Jugendherberge. Diese hatte dann natürlich schon geschlossen, so daß wir eine Nacht im Auto verbringen mußten. (Ich muß sagen eigentlich gar nicht so unbequem...) am nächsten Tag legten wir dann die restliche Strecke nach Sheffield zurück.
Dort angekommen wurden wir sehr sporadisch empfangen, wir füllten einen Zettel aus und man führte uns zum Accomodation-Center. Dort standen wir dann etwas perplex davor, denn etwas mehr Info hatten wir eigentlich schon erwartet.
Im Accomodation-Center bekamen wir dann eine Adressenliste in die Hand gedrückt und schauten uns daraufhin die ersten Wohnungen an, die aber doch sehr enttäuschen, denn zum einen waren sie ziemlich versifft und keine von Ihnen konnte man für ein halbes Jahr mieten. Also machten wir uns außerhalb von Sheffield auf die Suche nach Bed & Breakfast, was sich als äußerst schwierig gestaltete, denn, entweder gab es absolut keine Parkplätze, oder wir konnten es absolut nicht wagen unsere Autos (vollgepackt, wie sie waren) dort abzustellen. Daher fuhren wir schließlich bis in den Peak District Nationalpark und haben dort schließlich eine Telefonaktion gestartet und ein paar Termine ausgemacht, an denen wir dann Zimmer angeschaut haben. Gleich der erste Termin war dann auch echt super, aber leider nur für ein Jahr. Daher ist nur Achim dort gleich eingezogen. Da sich das Haus mit 10 Zimmern noch mitten in der Renovierungsphase befand, konnte ich noch in leeren Zimmern übernachten. Da den Vermietern es wohl peinlich war, das sie noch nicht fertig mit der Renovierung waren und sie außerdem total nett waren und mir sogar anboten bei ihnen zu Hause zu schlafen, konnte ich also erstmal bis auf weiteres bei Achim Unterschlupf finden.
Nach einem Tag mit lauter Mißerfolgen bei der Wohnungssuche war ich dann dem Aufgeben nahe, denn ich hatte fast 30 Telefonate geführt und nur Absagen aufgrund des halben Jahres Mietzeit als Ergebnis auf den Anrufbeantworter bekommen. Am darauffolgenden Tag haben wir dann noch einige total dreckige und ekelhafte Wohnung angeschaut, bei der uns der Vermieter gleich gesagt hat, daß auf der Straße vorm Haus Drogen gedealt werden und das man sich nach drei Tagen an den Lärm der nahegelegenen Kneipe gewöhnt hätte. Außerdem würde er die Wohnung mit mir teilen und das hat er nicht gesagt, aber man sah es, er war ein Oberschlamper und gnadenlos unordentlich. Daraufhin sind wir dann nochmals zum Accommodation Office gegangen und haben dort nochmal zwei Adressen bekommen, die angeblich auch für ein halbes Jahr vermieten würden. Die eine Adresse war dann auch ganz brauchbar, denn es war immerhin ein halbwegs bewohnbares Haus das man mit drei anderen Studenten teilen sollte. Es war aber leicht dreckig und im Wohnzimmer sollte ein Bett aufgestellt werden in dem noch ein Student schlafen sollte. Das blöde daran war, daß man, um in die Küche oder ins Haus zu kommen, durch dieses Zimmer laufen mußte. Dort traf ich dann aber Heike und Nicole, die exakt das gleiche Problem, wie ich hatten, sich auch dieses Haus anschauten. Da sie gleich anschließend einen Termin bei einem Makler hatten, über den sie ein ganzes Haus mieten wollten, habe ich mich ihnen einfach angeschlossen und mir das auch einmal angeschaut. Nach einigem hin- und her entschlossen wir uns dann schließlich das Haus zu nehmen.
Damit waren die Probleme aber noch nicht zu Ende, denn es galt nun den Vertrag abzuschließen und da Studenten ohne Bürgen in England keinen Mietvertrag über ein Haus abschließen können, mußten wir das gesamte Geld im voraus bezahlen, was uns wiederum vor sehr große Probleme stellte, denn es ist nicht möglich einfach zur Bank zu gehen und einfach mal einen Batzen Geld abzuheben. Dies konnten wir dann aber so lösen, daß wir eine Anzahlung machten und übers Wochenende jeden Tag am Automaten die maximale Summe abhoben. Leider dauerte die Bearbeitung bei der Hausvermittlungsagentur noch einige Tage, so daß wir erst am Montag der 2. Woche einziehen konnten.
Nun hatten Nicole und Heike natürlich das gleiche Übernachtungsproblem wie wir auch, denn sie waren ebenfalls mit dem Auto da und an dem Wochenende waren die Spice Girls in Sheffield, so daß alle B&B voll waren. Nach langem Zögern fragten wir einfach mal bei Achims Vermietern, die jeden Tag von 8:00 bis 23:00 Uhr das Haus renovierten, nach, ob denn die beiden nicht für zwei Tage noch irgendwo im Haus schlafen könnten. Für 15 DM die Nacht war das dann auch möglich. Wahrscheinlich wäre es auch ganz ohne Bezahlung gegangen, denn wie gesagt, die Vermieter sind echt supernett.
Wir waren echt froh endlich in unser Haus einziehen zu können. Endlich hatte das Leben aus Auto und Koffer ein Ende. Leider war das Haus nicht ganz so sauber wie wir uns das vorgestellt hatten und auch nicht alles so 100% funktionsfähig. Doch da wir einen echt netten Nachbarn haben, der uns gleich seinen Staubsauger lieh und unseren mitnahm zum Reparieren und unser Landlord auch total nett ist, kommt am Dienstag nächste Woche ein Elektriker und schaut sich etwas verrückt spielende Zentralheizung an. Nachdem wir alles geputzt hatten und einige Sachen repariert und noch mehr in den Schuppen im Garten entsorgt hatten, fingen wir an unser Haus mit Garten und zwei Toiletten sowie einem Fernseher mit Gelbstich echt klasse zu finden.
Diese Woche müssen wir jeden Tag an die Uni, um irgend etwas zu erledigen, so daß wir eigentlich immer beschäftigt sind und die Unmengen Parties, die hier für Studenten angeboten werden, darf man natürlich auch nicht auslassen. Außerdem muß man ja auch die Pubbesitzer ein klein wenig unterstützen.. .
Hier gehört eigentlich ein großer Bruch hinein, denn es sind schon wieder einige Tage vergangen. Ich habe meine ersten Vorlesungen gehabt und muß eigentlich sagen, daß das mit dem Englisch recht gut klappt. In der ersten Stunde konnte ich dem Professor auch sehr gut folgen, denn es ging um das Ätzen von Platinen und solche Dinge. Zum einen hat er schön langsam gesprochen und zum anderen gab es ein tolles Skript zum Mitlesen mit vielen Bildchen drin. Aber dann wurde es schon heftiger in der 2. Stunde. Zum einen wurde es thematisch wesentlich komplexer, denn nun ging es um Controlling bzw. Regelungstechnik zum anderen hat der Professor unheimlich viel und schnell gelabert. Aber im großen und ganzen konnte ich noch folgen. Dann kam aber eine Übungsstunde, die hier auch Tutorium genannt wird und in der es plötzlich nur noch um Ableitungen, Laplace Transformationen und Ähnlichem ging. Da ich davon noch nie etwas gehört habe und Achim auch nicht allzuviel damit anzufangen wußte, war diese Stunde doch ziemlich heftig.
Mein Stundenplan ist nicht gerade der Knüller, denn ich habe montags von 9:00 Uhr bis 20:00 Uhr Vorlesung und damit schon über die Hälfte meiner gesamten Vorlesungen.
Am darauffolgenden Tag mußte ich leider morgens vor der Uni feststellen, daß meine Fensterscheibe am Auto eingeschlagen worden war und mein teures 40,- DM Radio geklaut worden war. Shit! Was natürlich am ärgerlichsten ist, ist die Seitenscheibe, aber da muß ich wohl durch.
Na war doch nicht so schlimm, denn unser supernetter Nachbar hat mir eine Scheibe vom Schrottplatz für 30,- DM besorgt, die ich noch vor meinem Irlandtrip selbst eingebaut habe.
Denn jetzt habe ich endlich meinen endgültigen Stundenplan. Ich konnte ein Fach nun leider doch nicht belegen, da es nicht möglich ist, das Fach nur ein Semester lang zu besuchen. Dies ist nicht möglich, da nur am Ende eines jeden Jahres eine Prüfung geschrieben wird. Nach einigem hin- und her, meinte der Prof. und mein Tutor jedoch ich solle meinen Stundenplan mit den ihrigen abstimmen und drei zusätzliche freie Stunden pro Woche finden, in denen ich dann Einzelunterricht bekommen würde. Da ich die Relation von Nutzen zu Aufwand auf beiden Seiten relativ gering einschätze, habe ich mich dagegen entschieden. Einerseits wäre es für mich natürlich schon etwas besonderes gewesen, doch ich habe auch die Pläne der Professoren gesehen und es wäre wirklich nur irgendwann abends möglich gewesen. Auf der anderen Seite hätte ich dann ziemlich viele Wochenstunden gehabt und hätte aber trotzdem noch unheimlich viel zusätzlich machen müssen. Darüber hinaus ist es fraglich ob ich das Fach in Deutschland anrechnen kann, denn eigentlich gibt es dieses Fach in Esslingen gar nicht. Daher habe ich mich für einen umfangreicheren Englischkurs entschieden, bei dem ich jetzt viele Essays Schreiben oder Umfragen bzw. Präsentationen machen muß. Da ich in erster Linie auch zum Englisch Lernen hier bin, ist das vielleicht sogar die beste Lösung. Der große Vorteil ist jedoch, daß ich jetzt Dienstags und Freitags frei habe und so vielleicht auch mal ein verlängertes Wochenende nach Schottland fahren kann. Aber mal abwarten, denn meistens brauche ich doch mindestens einen Tag vom Wochenende zum Lernen bzw. Assignments schreiben.
Leider ist hier alles ziemlich teuer, den der Sprit kostet ca. 2 DM, ein Mensaessen zwischen 5 und 7 DM, aber man kann hier überall an der Uni ganz tolle Sandwiches für ca. 4 DM essen.
Mittlerweile habe ich eine ganze Menge Studenten aus dem Norfolkpark (dem Studentenwohnheim) kennengelernt, ich muß sagen, daß ich jetzt eigentlich ganz froh bin, daß ich meinen Platz darin abgelehnt habe, denn jetzt wohne ich doch bedeutend billiger und was auch sehr wichtig ist, wir haben hier ein Telefon und einen Fernseher. Ich muß jedoch auch zugeben, daß die Anlage und de Zimmer der Norfolkparks nicht schlecht sind, aber in manchen Wohneinheiten wohnen dann doch so eine Ansammlung komischer Leute und dann ist das zeitweise doch immer etwas schwierig, wenn es in der Küche dann immer wie auf dem Müllplatz aussieht, oder die Leute nicht einmal Hi, Hello or whatever sagen, wenn sie in die Küche kommen.
Mit meinen Assignments bin ich noch immer voll beschäftigt, aber da ich nächste Woche 4 abgeben muß, wird es dann vielleicht ein bißchen besser. Aber keine Sorge ich werde mich nicht Langweilen, denn in der Woche darauf bekomme ich schon wieder neue.
Sheffield ist wirklich eine ziemlich üble Stadt, denn vor ein paar Wochen habe sie an meinem Auto versucht die Baden-Württemberg Plakette abzumachen (vom TÜV) aber sie waren zum Glück nicht erfolgreich und haben daher „nur“ ein verbogenes Nummernschild zurückgelassen. Am gleichen Tag haben sie bei der Nicole (meine Mitbewohnerin den Opel-Schriftzug vom Auto abgeschabt. Von einem anderen Deutschen habe ich jetzt gehört, daß sie ihm das gesamte Nummernschild geklaut haben und er jetzt vorne mit einer englischen Nummer rumfährt.
Vor einer Woche haben sie dann versucht meine hintere Tür aufzubrechen, waren aber wieder nicht erfolgreich und haben daher nur eine leichte Delle in meiner Tür hinterlassen sowie eine etwas beschädigte Gummidichtung. Ich hoffe mal das es jetzt nicht ins Auto reinregnet.
Aber jetzt wird es noch viel toller, aber zum Glück bin ich davon nicht betroffen. Vor einigen Tagen ist bei einer deutschen Studentin eingebrochen worden am hellichten Tag. Das tolle daran ist nur das sie in Ihrem Zimmer lag und laute Musik gehört hat und es daher nicht gehört hat. Also der Dieb hat mit einem Ziegelstein die Scheibe eingeworfen und hat den Video und den Fernseher von einer englischen Mitbewohnerin mitgenommen. Aber damit noch lange nicht genug, denn als Sandra (die Studentin) sich einen Kaffee holen wollte und das ganze sah, stand der Dieb wie sich später rausstellte plötzlich am Fenster mit seiner Tochter und wollte wissen, ob er helfen kann und ob es Sandra gut geht? Natürlich total unter Schock stehend, war jede Hilfe recht , und daher hat sie die Tür aufgemacht und den Mann reingelassen. Der fing an genau zu erklären, wie alles gewesen sein mußte und hat gesagt, daß er jetzt die Polizei rufen würde. Am Telefon hat er dann auch so getan, als ob. Auf alle Fälle fing er kurze Zeit später an in Sandras Schultasche rumzuwühlen und da wurde ihr dann doch etwas komisch zumute und sie hat ihn angeschrien, daß er jetzt gefälligst gehen solle, was er dann auch glücklicherweise getan hat.
Die Polizei kam dann auch bald und stellte schon bei der Beschreibung des Mannes fest, daß das ein Junkie sei und gleich um die Ecke wohne und den Fernseher und den Video wahrscheinlich schon im „Arm“ habe. Auf jeden Fall haben wir an dem Tag alle in dem Haus geschlafen, damit die beiden Bewohner nicht allein sind. Aber ich glaube nicht, das die in der nächsten Zeit besonders gut schlafen werden.
Bevor hier aber noch ein falscher Eindruck entsteht, alles in allem hat es mir unheimlich gut gefallen und meine Prüfungen habe ich auch alle ziemlich gut bestanden und zum Großteil sogar in Deutschland anerkannt bekommen.
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