Hochschule Esslingen testet Dusch-WCs

Die Hochschule Esslingen hat ihr gutes Ansehen als neutrales Prüfinstitut bei der Sanitärindustrie weiter verbessert: Gemeinsam mit der Sanitär-Fachzeitschrift SBZ hat sie in diesem Jahr erneut einen Praxistest vollzogen und die Ergebnisse publiziert. Die Branche hat den Test mit hohem Interesse verfolgt.

Vor der Veröffentlichung der Ergebnisse haben Vertreter der Sanitärindustrie den Prüfstand in Esslingen besichtigt.

Mit diesem Aufbau wurde getestet, wie gut ein Dusch-WC die Temperatur im Wasserstrahl einhält.

Ja, die Überschrift wirkt auf den ersten Blick kurios: WCs testen?! Und dann auch noch sogenannte Dusch-WCs? Um es also vorweg zu nehmen: Ein Körpereinsatz, so wie es die Überschrift vermuten lässt, war beim Test nicht gefragt. Und es handelt sich auch nicht um WCs, mit denen der Nutzer gleichzeitig auch noch duschen kann – zumindest nicht in einer alltäglichen Auffassung von „duschen“.

Zur Erklärung: Ein Dusch-WC – international überwiegend als Washlet bezeichnet – kann am besten als eine Kombination aus Toilette und Bidet beschrieben werden. Wie ein Bidet ermöglicht es auf Knopfdruck nach dem Toilettengang eine Intimreinigung mittels eines variablen Warmwasserstrahls. Je nach Modellausstattung sind weitere Funktionen wie beheizbarer WC-Sitz, Föhn oder Geruchsabsaugung möglich.

Dusch-WCs: In Asien längst Standard - in Deutschland auf dem Vormarsch

Vor allem im asiatischen Raum ist diese Art der Toilettenprozedur bereits Standard. In Deutschland sind Dusch-WCs noch nicht weit verbreitet. Das ändert jedoch. Immer mehr Hersteller aus der Sanitärindustrie bieten über das Fachhandwerk Dusch-WCs in Deutschland an. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Varianten. Die Differenzierungen in der Ausstattung und in der Funktion sind enorm. Im Auftrag der Sanitär-Handwerkerfachzeitschrift SBZ (Alfons W. Gentner Verlag, Stuttgart) hat Prof. Dr.-Ing. Hans Messerschmid, Leiter des Labors Wasser- und Gastechnik der Fakultät Gebäude-Energie-Umwelt, an der Hochschule Esslingen zehn Modelle deutscher Markenanbieter intensiv getestet.

Testverfahren

Auf dem Prüfstand standen Modelle von Villeroy & Boch, Grohe, dem japanischen Hersteller Toto, Geberit aus der Schweiz, der spanischen Keramik-Dynastie Roca und anderen Firmen. Die Vergleichstests wurden in Anlehnung an das Papier 59L/118/CD der IEC durchgeführt. Es handelt sich um eine Art Vor-Norm, aufgestellt von der  „International Electrotechnical Commission“ (IEC) mit Sitz in Genf.
Die Prüfkategorien waren: Temperatur des Warmwassers am Düsenaustritt; Wasservolumenstrom aus der Düse; Reinigungswirkung der Duschdüse; Selbstreinigungsfähigkeit der Düse; Temperaturverteilung des beheizten ­WC-Sitzes; Trocknungsrate des Föhns; Energieaufwand für Strom.

Selbstreinigungseffekt noch nicht immer gut

Der Hauptzweck eines Dusch-WCs liegt in der Reinigungsfunktion durch die Duschdüse. Deshalb wurde diesem Punkt bei den vergleichenden Tests auch eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Dabei fanden die Prüfer heraus, dass nur sechs der zehn Testobjekte die Duschdüse wirklich optisch sauber bekommen. Besser fielen die Testergebnisse hinsichtlich der Reinigungsqualität aus: Alle getesteten Dusch-WCs reinigen unter Prüfbedingungen gut. Dabei variierte die Dauer des Reinigungsprozesses extrem, wie im Labor ermittelt wurde.

Die SBZ-Fachzeitschrift hat die Ergebnisse aus dem Prüfbericht veröffentlicht. Außerdem wird der Prüfstand auf der Sanitärfachmesse ISH in Frankfurt ausgestellt. Die ISH ist die weltgrößte Fachmesse für Gebäudetechnik und regenerative Energien. Über diese Kanäle wie auch durch den direkten, persönlichen Kontakt zu den Sanitärherstellern hat die Hochschule Esslingen ihr Profil als neutrales Prüfinstitut weiter geschärft. Nach dem Praxistest 2015 ist der Dusch-WC-Test die zweite Zusammenarbeit zwischen der Hochschule und dem Fachmagazin SBZ. Die Reihe soll fortgeführt werden.