Virtuelles Esslingen: Informationstechniker erschaffen 3D-Spaziergang durch die alte Reichsstadt

Durch Esslingen spazieren und dabei am Computer sitzen – Traum oder Wirklichkeit? Begonnen hat das virtuelle Projekt vor fünf Jahren mit einer 3D-Modellierung des Gebäudes der Hochschule Esslingen in der Flandernstraße: Dr. Reinhard Schmidt, Professor für Informationstechnik, und einige seiner Studenten machten sich ans Werk, die Daten für die aufwendige Modellierung zu sammeln, zu verarbeiten und schließlich die Hochschule in 3D abzubilden.

Was sich einfach anhört, ist für die Medieninformatiker eine höchst aufwendige Angelegenheit: „Es entstehen sehr große Datenmengen, die verarbeitet werden müssen. Die Optimierung dieses Prozesses ist unsere tägliche Arbeit“, erklärt Reinhard Schmidt, der das Projekt im Rahmen seiner Vorlesung „Virtuelle Realität“ leitet und betreut.

Die 3D-Modellierung wird in vielen Sparten bereits erfolgreich eingesetzt, so beispielsweise im Flugzeug- und Städtebau, in der Medizintechnik und im Militär, wo das Thema seinen Ursprung hat, sagt Schmidt. Ziel ist es, etwa in der Automobilbranche, Fahrzeuge mit Hilfe von eigens geschaffenen virtuellen Menschen auf ihre Gebrauchstauglichkeit zu testen. Auch im Umgang mit Ängsten wird das Verfahren bereits erfolgreich eingesetzt: So können Menschen mit Platzangst beispielsweise lernen, virtuell über 3D-modellierte Plätze zu gehen und dabei Schritt für Schritt ihre Ängste abzubauen.

Reinhard Schmidt und sein Team von Studenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern haben bisher neben der Hochschule in der Flandernstraße eine ganze Reihe von Plätzen und Gebäuden der Esslinger Innenstadt abgebildet: so etwa einen Teil der Stadtmitte, das Dick Areal, eine Kirche und das Neckar Forum. „Wenn wir Glück haben, bekommen wir vor Beginn einen Grundriss des entsprechenden Gebäudes“, erläutert Fabian Müller, der in seiner Studienarbeit die 3D-Modellierung des Neckar Forums gefertigt hat. Dann geht es ans Fotografieren. Rund 300 Bilder hat Fabian Müller gemacht. Die Auswertung der Bilder brachte ihm wichtige Details – wie etwa die Anzahl der Säulen – und ermöglichte zusammen mit dem Grundriss den Beginn der Berechnungen und  Modellierung. Rund 250 Stunden war Müller beschäftigt, mit der entsprechenden Software das Neckar Forum zu modellieren.

Wenn die Studenten ihre Arbeit erledigt haben, sind die wissenschaftlichen Assistenten von Reinhard Schmidt an der Reihe. Mit viel Erfahrung und Routine bearbeiten sie dann das Ergebnis. Bis alles perfekt passt und sitzt, vergehen in der Regel nochmals zwei bis vier Wochen, je nach Qualität und Umfang der Vorlage.

„Man muss sich das so vorstellen: die Gebäude und Areale werden im ersten Schritt definiert und berechnet und schließlich erzeugt. Danach werden alle Einzelteile zusammengefügt und ergeben so ein zusammenhängendes Bild“, erläutert der Professor für Informationstechnik.  Auch die Modellierung der Esslinger Burg steht noch auf dem Programm der Hochschule. Ziel sei es, in der Zukunft Interessierten einen virtuellen Flug durch Esslingen zu ermöglichen.

Auch ein erstes 3D-Video haben Schmidt und sein Team bereits angefertigt. Wie aufwendig die Reise durch das Innere des Hochschulgebäudes ist, wird leicht verständlich, wenn man bedenkt, dass für eine Filmdauer von zwei Minuten eine Rechnerleistung von sechs Wochen erforderlich ist.

Kontakt:
Prof. Reinhard Schmidt
Fakultät Informationstechnik
Hochschule Esslingen
Flandernstr. 101
73732 Esslingen
E-Mail Reinhard.Schmidt(at)hs-esslingen.de
Telefon 0711/397-4215

Bild: Hochschule Esslingen in der Flandernstraße als 3D-Modell

Von: Antje Fürth